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Kleiner Therapiebericht (DBT)

Katzenmädchen, 28 Jahre

Ich habe mich vor etwas über einem halben Jahr zu einer stationären Therapie entschlossen und mir dort ein Vorgespräch geben lassen. Nun war heute schon mein letzter Tag dort in der Klinik und habe dort das sog. DBT mitgemacht. Die Therapie läuft insgesamt 12 Wochen, für Leute, die noch nie das DBT gemacht haben, für andere Patienten wird die Aufenthaltszeit individuell eingestellt.
Die DBT ist für Patienten mit Borderline gedacht, aber auch für andere Patienten, die sich selbst verletzen und nicht fünf der neun Borderline-Kriterien zusammenbekommen. Zu denen gehöre ich im Übrigen, meine beiden Kriterien sind die Selbstverletzungen/ suizidalen Ideen und die chronische innere Leere.
Die DBT ist eine Verhaltenstherapie, die gewisse Dinge von verschiedenen Seiten beleuchtet und betrachtet, daher setzt sich auch der Name der Therapie zusammen: Dialektisch Behaviorale Therapie, kurz: DBT.
 
In der Klinik werden die Patienten ein wenig unterteilt, je nachdem, wie weit sie schon in der Therapie sind. Es gibt drei Phasen: Die erste Phase ist zum Einleben in der Klinik, erstmal warm werden und die Therapie kennen lernen. Um in die zweite Phase zu kommen, muss man eine Verhaltensanalyse (VA) schreiben und diese dem Team vorstellen. Man beschreibt nach einer Anleitung seine letzte Selbstverletzung (oder anderes Problemverhalten) und bespricht sie dann im Kreise von ca. sechs Therapeuten. Danach ist man in Phase zwei und muss nun etwas mehr arbeiten. Man muss jeden Tag eine Spannungskurve schreiben und eine sog. Diary-Card (DC) in denen verschiedene Dinge eingetragen werden, wie z.B. die Stärke der suizidalen Ideen, der Selbstverletzungsdrang, Not/Elend, Freude. Hinzu kommt dann noch der Drang nach individuellem Problemverhalten, welches vom Therapeuten zusammen mit dem Patienten festgelegt wird. Das können z.B. sein: alle Arten von Essstörungen, Therapieabbruchgedanken, Medikamentenmissbrauchgedanken.
In Phase drei kommt man wieder durch ein Gespräch. Hier wird man auf die Entlassung vorbereitet, z.B. besprochen, was einem zu Hause erwatet oder auf der Arbeit. Des Weiteren wird auch nach der richtigen Therapie zur Weiterbehandlung geschaut und was evtl. an darauf folgenden Therapien noch wichtig ist.
 
Die Therapie ist von der Art der Durchführung vergleichbar mit Schulunterricht. Man bekommt seinen Therapieplan und muss daran teilnehmen. Man bekommt in einigen Therapien auch Hausaufgaben auf. Einige Therapien sind praktisch, andere rein theoretisch. Folgende Therapien werden angeboten:
 
Skillgruppe: Diese Therapie gilt dem praktischen ausprobieren von Skills. Dies ist wichtig um erstmal den Umgang zu erlernen; um überhaupt erstmal eine Alternative zum SvV zu finden. Und da gibt es ein wichtiges Motto: Probieren geht über studieren. ( 1x pro Woche, 1 Std.)
 
Achtsamkeitsgruppe: Hier werden Achtsamkeitsübungen erlernt und immer wieder trainiert. Achtsamkeit ist auch eine Art von Skills, die wichtig sind, bei niedrigen Anspannungen. Hier geht es praktisch und theoretisch her, wobei dann auch genau erläutert wird, was Achtsamkeit ist und was noch dazu gehört, dazu kommt immer eine praktische Übung. ( 2x pro Woche, je 1 Std.)
 
Basisgruppe: Hier ist Theorie angesagt. Man lernt viel Allgemeines über seine Erkrankung, dies ist wirklich zu vergleichen mit Schulunterricht, da man reines Wissen vermittelt bekommt. Allerdings werden hier auch Probleme der Gruppe angesprochen und diverse Fragen beantwortet. Also ein klein wenig bunt gestaltet das Programm. ( 1x pro Woche, 1 Std.)
 
Bezugsgruppe: Diese Gruppe ist für Patienten ab der zweiten Phase. Hier sitzen die DBT-Patienten ohne irgend einem Therapeuten zusammen und besprechen Probleme. Dies können sein: Probleme mit Mitpatienten, Personal oder Probleme bei den Hausaufgaben oder Sachinhalten von Therapien. Neue Patienten haben auch oft allgemeine Fragen, die dann dort auch geklärt werden. ( 2x pro Woche, je 1 Std.)
 
Skills: Hier ist auch reine Theorie angesagt. Man bespricht diverse Themen, z.B. Wie Skills oder aber auch Selbstverletzungen im Körper (Gehirn) wirken. Diese Therapie ist auch ziemlich gut mit Schulunterricht zu vergleichen, denn man kann dort einiges Wissenswertes lernen. ( 1x pro Woche, 2 Stunden am Stück, mit 10 min. Pause.)
 
Hinzu kommen noch allgemeine Therapien, wie die Arbeitstherapie ( 5x pro Woche, je 1½ Std.), Kunsttherapie ( 2x pro Woche, je 1½ Std.), Musiktherapie ( 2x pro Woche, je ½ Std.), Bewegungstherapie (2x pro Woche, je ½ Std.) und 3x in der Woche Kneippsche Anwendungen. Des Weiteren hat man im Normalfall ein Gespräch pro Woche mit der Bezugsschwester ( ½ - 1 Std.), wenn akute Dinge zu besprechen sind, bekommt man auch noch einen Termin zusätzlich. Und es gibt ein bis zwei Gespräche pro Woche mit dem Psychologen, um allgemeine Dinge zu besprechen ( ca. je 1 Std.).
 
Jeden Abend werden dann die Diary-Card und die Spannungskurve besprochen (dies dauert ca. 15-25 min.), dabei schaut man, wie der Tag so war, wo es Probleme gab und wie man bei den Anspannungen mit den Skills klargekommen ist und ob evtl. Problemverhalten aufgetreten ist. Diese Aufzeichnungen werden jeden Abend eingesammelt und am nächsten Morgen mit den Ärzten und Therapeuten durchgesprochen. Falls ein Problemverhalten (z.B. SvV) aufgetreten ist, bekommt man ein sog. 2-Std.-Timeout und muss in der Zeit auf seinem Zimmer eine Verhaltensanalyse schreiben. Hier bekommt man ein wenig Hilfestellung, indem man Fragen zu einem Arbeitsblatt beantworten muss, z.B. wie es einem während, vor und nach dem SvV ergangen ist (Gefühle) und wie das Verhalten entstanden ist und wie und womit man sich verletzt hat, usw.. Diese VA wird dann mit zwei Mitpatienten besprochen (diese müssen aber mind. In Phase Zwei sein), danach mit den selben Mitpatienten und der Bezugspflege. Ist dort die VA komplett durchgesprochen, wird sie dem Therapeuten vorgestellt und tiefer auf das jeweilige Problem eingegangen. Es gibt auch die Möglichkeit, dass man eine sog. Positive VA schreiben muss. Dies tritt auf, wenn man ein negatives Verhalten in einer sehr schwierigen Situation abwenden konnte. Diese pos. VA läuft vom Ablauf her ähnlich ab, wie eine „normale“ VA.
 
Zum Ende der Therapie kann ich nur sagen, dass sich bei mir einiges positiv verändert hat. Ich habe mich jetzt schon etwas über 7 Wochen nicht mehr geschnitten (vorher alle 2-3 Tage regelmäßig) und habe den Schneidedruck im Moment ganz gut im Griff. Ich habe einige Techniken gelernt um mit Gefühlen klarzukommen, bzw. erstmal auch zu spüren, was ich fühle. Darüber war ich mir oft gar nicht im Klaren, welches Gefühl in mir ist und was es mit mir macht. Klar, perfekt kann ich das alles noch nicht, aber immerhin klappt es mit den Gefühlen jetzt schon viel besser als vor der Therapie. Auch das Kämpfen gegen den Schneidedruck ist ganz schön schwere Arbeit, aber ich habe nun Techniken an die Hand bekommen, wie ich den Druck auch ohne Schneiden bezwingen kann, allerdings muss auch das noch weiterhin kräftig geübt werden. Denn ohne sich einzusetzen hilft da wohl auch die beste Therapie nichts…hart Arbeiten ist da schon angesagt! Nach einiger Zeit Therapie spürt man es auch körperlich, wie anstrengend das Ganze ist. Ich hatte eine Zeit lang mit starker Müdigkeit und Schlappheit zu kämpfen. Körperlich ist die Therapie eigentlich nicht anstrengend- aber seelisch! Wer sich zu dieser Therapie entscheidet, sollte bedenken, dass dies ein schwerer Weg ist, den er da geht- aber er lohnt sich!
 
Die Therapie habe ich in der Hans-Prinzhorn-Klinik in Hemer (Sauerland) gemacht.
 
by Katzenmädchen
 
23.12.2005
 
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