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Die Narbenträger
Friedemann, 16 Jahre
Das Buch der Zeit
Die Geschichte der Vergangenheit
In die eigene Haut geschrieben
Von denen, die nicht lieben
Die andere Wege gehen
Weil Sie sich nicht leben sehen
Wo der Schmerz des Jetzt
Den Schmerz der Vergangenheit
Aus dem Körper treibt
Dort verlassen Sie den Ort
Der Gefangenheit
Im eigenen Leib
Der Erinnerung heißt
Wenn durch flache Schnitte
Tiefe Narben und Wunden
Nur für Sekunden
In Vergessenheit geraten
Ist das für Sie die Erlaubnis
Sich selbst zu verraten
Weil Sie gelitten haben
Tragen sie Narben
Auf Ihren Armen
Und in Ihren Augen
In die keiner sieht
Weil niemand so nah
Zu Ihnen tritt
In früheren Tagen
Misshandelt, verachtet, geschlagen
Haben Sie heute die Last
Ihr Schicksal schweigend zu tragen
Deshalb weinen Sie die roten Tränen
Für die Sie sich schämen
Weil Sie sich nach ihnen sehnen
Denn Sie sehen
Darin ein Hoffnungslicht
Doch die Zeit heilt ihre Wunden nicht
Sie fühlen Ihre eigene Wärme
Auf ihrer kalten Hand
Und Nacht für Nacht
Trösten Sie sich daran
Freunde und Andere
Trügt der Schein
Die Narbenträger sind nicht allein
Die Klinge findet in ihrem Fleisch
Das verlorene Gefühl,
das Glücklichsein heißt
Von anderen gelenkt und dirigiert
Freut es sie zu wissen
Sie entscheiden für einen Moment
Was mit ihnen passiert
Sie sind keine Opfer
Haben sich nicht verletzt
sich nicht wehgetan
Kein Teufel ist in sie gefahren
Sie tragen nur Narben
Auf ihren Armen
Als Zeuge von schlechten Zeiten
Man kann es nicht immer gleich sehen
Nicht immer gleich glauben
Doch es steht für immer in ihnen geschrieben
In Armen und Augen
16.05.2005
geschrieben 10.07.2004
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