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Meine Roten traenen

Hitomi, 14 w

Ich habe mich nun enschlossen auch einen Bericht zu schreiben, ob ich das hier "Lebensgeschichte" nennen kann weiß ich nicht, da ich vielleicht noch den Großteil meines Lebens vor mir habe.
 
Soweit ich mich erinnern kann hatte ich eine recht sorglose Kindheit, alles fing an als ich ca. 9 Jahre alt war, mein Vater stritt sich immer häufiger mit meiner Mutter und begann daraufhin Alkohol zu trinken bis er schließlich zum Alkoholiker wurde. Mein Bruder (er ist jetzt 19, ich bin 14) hatte mich, wenn wir alleine waren ausgezogen, mich geküsst und überall angefasst. Er erzählte mir immer dass ich das alles nur geträumt hatte und das ich es niemandem erzählen darf. Irgendwann habe ich ihm dann geglaubt. Alles für einen Traum gehalten und verdrängt, bis heute...
 
Ich kam auf die Realschule, meine Eltern hatten hohe erwartungen in mich gesetzt doch mit der Zeit wurde ich immer schlechter und deshalb gab es zuhause auch immer wieder Stress. (heute gehe ich in die 9. Klasse der Realschule, meine Noten sind nicht wirklich besser geworden)
 
Mein Vater trank im laufe der Zeit immer mehr und fing an mich zu schlagen und mich zu beleidigen, er stritt sich immer öfter und heftiger mit meiner Mutter und warf mit Gegenständen. Wenn er etwas zu mir gesagt hat, habe ich es getan. Habe ich ihm wiedersprochen wurde er sofort zornig und fing an mich anzuschreien. Ich hatte Todesangst vor ihm...er fuhr auch betrunken Auto.
 
In der Klasse bezeichneten sie mich und meine Familie als "Psychos" und meinen Vater als Monster und grentzen und lachten mich immer mehr aus. So zog auch ich mich immer weiter zurück und fing mit dem SVV an, anfangs kratze ich mich nur leicht mit Nadeln, dachte ich könnte jederzeit wieder damit aufhören...aber es wurde schlimmer. Meine beste Freundin zog um und wechselte somit auch die Schule, zwei andere Freundinnen fingen ebenfalls an sich zu Ritzen aber wollten mit niemandem darüber reden, eine weitere Freundin ritze sich nun auch und hatte Bulimie. Ich ritze immer tiefer, zuerst mit einer Schere, dann mit einem Cutter Messer. Ich zwang mich tagelang nichtsmehr zu Essen bis mir schwarz vor Augen wurde, biss und riss mir meine Fingernägel runter und stach mich mit Nadeln. Damals war ich noch mit meinem Ex-Freund (17) zusammen, dieser machte nach 1 Jahr und 1 Monat beziehung Schluss, sah das ganze als Kindergartenbeziehung und bezeichnete mich als Abschaum und "armes krankes mädchen", kurz darauf wurde meine Katze überfahren. Ich fing an mir mit einer Rasierklinge die Unterarme und die ganzen Beine aufzuritzen und zog mich weiterhin zurück. (Ich hatte einen Suizid Versuch...)
 
Meine Mutter entdeckte meine Schnitte, von ihr kam nur ein "Du spinnst doch" und weiter nichts. Meine Oma und der Rest meiner Verwandtschaft bezeichnete mich als "Familienschande" da mein Bruder ja in der 13. Klasse ist, gute Noten schreibt und noch nie durchgefallen ist. Nun hat er seinen Führerschein mit 0 Fehlern geschafft und macht jetzt Abitur. Ich war nur die mit den stinkenden Ratten. (Ich habe 6 Farbratten, sie sind alles was mir geblieben ist.)
 
Über Freunde lernte ich meinen neuen Freund (15) kennen, er wusste das ich mich ritze und wollte mir helfen, war immer für mich da und ich war zum ersten mal in meinem Leben richtig glücklich, hatte für kurze Zeit auch mit dem Ritzen aufgehört. Doch das glück hielt nicht lange, plötzlich meldete er sich nichtmehr. Auf SMS'en kamen keine Antworten und an das Telefon ging immer nur der Anrufbeantworter. Von einem Kumpel musste ich erfahren das er mich mit einer sehr guten Freundin betrügt...Ich ritze wieder, tiefer - immer tiefer.
 
Als ich zu einer allgemeinen Untersuchung zu meinem Arzt musste, stellte er fest das ich schon mehr als nur leichtes Untergewicht hatte. (hatte mich bei einer größe von 1,65 m auf 43 kg heruntergehungert.) Seitdem passen meine Eltern mehr darauf auf, was ich Esse. (So habe ich mir nun schon mehrmals den Finger in den Hals gesteckt...) ... nach einer Weile merkte ich selber das es nicht so weiter gehen kann ich war ständig müde, agressiv und wollte nurnoch alleine sein, überall sah ich meine Narben...ich wollte aufhören mich zu ritzen, wenn ich es doch tat war ich wütend auf mich selber und tat es dadurch wieder, um mich zu bestrafen. Es war ein Teufelskreis aus dem ich nichtmehr herauskam....und das ist er immernoch...
 
Mittlerweile Esse ich wieder recht normal, das Ritzen habe ich noch nicht unter Kontrolle, durch das malen von Bildern, schreiben von Texten und Tagebuch habe ich nun schon mehrere Pausen eingelegt und hoffe das ich diese auch noch verlängern kann, um somit irgendwann vielleicht ganz damit aufzuhören. Ich weiß nicht ob ich es alleine schaffe. Aber ein Satz ist für mich in meinem Leben sehr wichtig geworden:
 
"Die Schritte, die ich mache, sind klein und ich kann den Weg, den ich zu gehen habe, manchmal nur sehr schwer erkennen. Ich weiß nicht, wohin er mich führen wird. Ich hoffe zu mir selbst zu finden und wie lange es noch dauert, ich weiß, dass sich diese Suche lohnt."
 
Bis heute hat sich an dem Leben (wie oben beschrieben) nicht viel geändert, ich versuche stark zu sein aber es fällt sehr schwer, fast unmöglich.
 
Ich wünsche den anderen, die SVV zeigen, sehr viel glück und ganz viel Kraft! ... Denn ich habe das gefühl, das ich das im moment selber brauche
 
Alles gute,
 
Hitomi
 
 
01.10.06
 
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