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..... früher oder später ......

Ragnaroek, 19 w

Hm, gehen wir mal ganz weit zurück, so sagen wir mal ca. 8 Jahre, als ich ca. 13 Jahre alt war, fing eigentlich so alles richtig an, ok schon vorher gab es Situationen, die nicht ohne waren, so ist das Verhältnis zwischen mir und meiner Halbschwester damals ziemlich schlecht gewesen, naja wie man nun mal zu seiner älteren Schwester aufblick hat diese mich ständig nur schikaniert, gepiesackt, verletzt und geärgert, sie war eifersüchtig und nicht mehr alleine, sie musste ihre Aufmerksamkeit erneut mit einem Geschwisterteil so halbwegs teilen. Dazu muss ich sagen, dass ich eigentlich noch einen Bruder gehabt hätte, der aber leider mit ca. 2 Jahren am Kindstot gestorben ist. Und schon damals legte meine Schwester dieses auffällige Verhalten an den Tag. Gegenüber meinem Vater war das Verhältnis von ihr zu ihm auch nicht gerade rosig, sie hat ihn bestohlen, und ihn der Vergewaltigung beschuldigt, was dann auch ausschlaggebend war, dass meine Schwester in ein Heim für Schwererziehbare gekommen ist. Nun denn eigentlich hätte ich ja gar nicht auf diese Welt kommen sollen, laut der Aussage der Ärzte zumindest da es hieß, dass meine Mutter keine Kinder mehr bekommen kann, aber naja die haben mich noch nicht gekannt, anscheinend musste ich wirklich geboren werden, um all das zu erleben, oft denke ich mir es wäre besser gewesen, wenn ich nicht geboren worden wäre, aber naja ein Wink des Schicksals. Als meine Schwester dann nicht mehr bei uns wohnte, besserte sich das Verhältnis zwischen uns der Kontakt war spärlich. Zwischenzeitlich vergingen ein paar Jahre, als ich in die Hauptschule kam, hat sich einiges bei mir verändert, meine damalige beste Freundin und ich hatten uns verstritten und waren jedoch dennoch in der selben Klasse, als ich neue Kontakte knüpfte und diese dann abermals auseinander brachen da ich einfach ein ruhiger, zurückhaltender, schüchterner Streber war, hat sich die Hauptschule zumindest die ersten beiden Jahre zu einem regelrechten Spießrutenlauf entwickelt. Ich wurde wegen meines Aussehens und meiner Figur gehänselt, geschlagen und herumgestoßen, auch mein Lehrer hat nicht wirklich durchgegriffen meine Noten verschlechterten sich und vor allem in Mathematik, wo damals festgestellt wurde, dass ich eine Rechenschwäche besitze wurde ich immer schlechter. Ok, das ist nicht so weltbewegend, wer macht das heute mal nicht mit in der Schule als Außenseiter da zu stehen, vielleicht muss man das miterlebt haben, um später einmal sagen zu können, Schüler gewesen zu sein. Naja als dann der Lehrerwechsel anstand schien auf einmal alles besser zu werden, meine Noten verbesserten sich innerhalb eines halben Jahres von 5 auf 2 in Mathematik das hat mir so richtig den Aufschwung gegeben und es dauerte nicht lange schon war ich Klassenbeste. Ok, auf der Hauptschule nicht schwer aber immerhin doch ein Ansporn weiter zu machen. Mit den Lehrern verstand ich mich prima und von den anderen ließ ich mich nicht mehr wirklich verarschen, ich ging in die Schule und das tat ich gerne im Gegenteil ich fühlte mich dort wohler als zu Hause, da sich die Situation zu Hause zunehmend aufgepeitscht hatte.
 
Meine Eltern stritten sich immer häufiger, Schläge wurden zusehends mehr, oft immer dann wenn ich mein Zimmer nicht aufgeräumt habe so, wie es meine Mutter mir gesagt hatte, wenn mein Vater dann abends von der Arbeit nach Hause kam, wurde ihm das natürlich sofort von meiner Mutter auf die Nase gebunden und dann ging die Post ab. Im ganzen Haus ein geschrei, alles was von mir im Haus rumlag musste innerhalb weniger Minuten zusammen geräumt werden, dann ging es gemeinsam mit meinem Vater in mein Zimmer nur nicht gerade sanft, sämtliche Schränke wurden umgekippt und das Zeug herausgeworfen, Spiele geöffnet und auf dem Boden verteilt, Mülleimer ausgeleert, der Tisch abgefegt alles...! So stand ich nun immer vor einem rießen Berg, der einige Tage dauerte um ihn zu bewältigen. Ich wusste zwar dass ich meiner Mutter wenig Respekt rüber brachte aber deswegen einen so zu verpetzen wobei sie doch genau wusste was dann los war, ich verstehe es bis heute nicht.
Auch kann ich mich noch an eine Situation erinnern, ich weiß nicht mehr genau was vorgefallen ist, aber das Bild sehe ich noch genau vor mir, als meine Mutter und ich in den Keller rannten und uns in einem Kellerraum verbarrikadieren, uns gegen die Tür drückten und die hämmernden Fäuste meines Vaters immer wieder an die Türe schlugen, diese Szene vergesse ich nie! Alles spitzte sich soweit zu, dass mein Vater meine Mutter am 80. Geburtstag meiner Großmutter wegen eines kleinen Streites im Auto, zu Hause durch die geschlossene Zimmertür schlug, dass dabei ein Stück des Türrahmens ausbrach, ich selbst bekam davon nichts mit, ich habe mich schon als wir zu Hause ankamen sofort in mein Zimmer verkrochen, da ich schon wusste, dass es Stress geben würde. Ein halbes Jahr später eröffnete meine Mutter meinem Vater gegenüber, dass sie die Scheidung will, auch da kam es wieder zu Handgreiflichkeiten, sodass sich meine Mutter entschloss, in unserem Haus das Obergeschoss zu beziehen, ich hatte mein Zimmer sodann nach unten verlegt, aus welchen Gründen auch immer ich glaube es lag daran, dass ich mit meiner Mutter nicht klar kam und mein Vater hauptsächlich in der Arbeit war und das Geld hatte.
 
Ab sofort veränderte sich alles drastisch, in der Schule ging es langsam ans Ende zu, ich ging gerne dort hin um einfach nicht zu Hause sein zu müssen die Spannung war einfach zu groß, doch in der Schule bekam keiner davon etwas mit, zum Glück muss ich sagen.
 
Als meine Mutter nach langen hin und her letztendlich ganz auszog besserte sich das Verhältnis zu ihr wieder, mit meinem Vater war es lediglich ein Nebeneinander-her-leben. Meine Abschlussprüfung bestand ich mit Bravour, als Schulbeste mit einem Durchschnitt von 1,78 was ein richtiger Erfolg für mich war, von anderen gelobt zu werden fühlte sich gut an. Mit meiner Freundin, die ich seit der 8. Klasse hatte, ging ich nun auf eine Berufsfachschule für Hauswirtschaft, was damals eine gute Entscheidung meines Erachtens war. Doch mein familiäres Leben schien nicht besser zu werden, als mein Vater mich dazu anfangs noch überredete doch mal mit ihm und seiner neuen Freundin weg zu gehen, naja gesagt getan. Dort hab ich die Clique kennengelernt mit denen ich eigentlich eine ganz gute Zeit verbracht hab, es ging in die Metal-Szene/Skin-Szene, die Gruppe bestand hauptsächlich nur aus Jungs, was mich nicht im geringsten störte, Anfangs gab es noch kleine Startschwierigkeiten, von wegen naja ich war erstens weiblich, zweitens zu jung und drittens zu ruhig, diese banalen Probleme waren schnell aus der Welt geschafft, ich hab mich einfach integriert, getrunken, gelacht hab mir nie ein Blatt vor den Mund genommen und Weiber/Zicken konnte ich sowie so nie ausstehen also der Altersdurchschnitt war bei ca. 23 was mich mit meinen 15/16 nicht sonderlich gestört hatte. Dort hab ich auch meine erste große Liebe gefunden, aber leider nie erreicht. Hubsi, 26, keine Schönheit, dick aber unwahrscheinlich nett und witzig, naja ich wusste halt ganz genau wenn ich weg gehe und ihn treffe ist der Abend gerettet in seiner Nähe haben mich alle aktzeptiert und ich konnte lachen, ich hab mich wohl gefühlt auch wenn da niemals was draus entstehen sollte, möchte ich diese Zeit nie missen, dort konnte ich meine Gedanken hinter mir lassen und einfach Spaß haben. Dort fing aber auch alles an, ich weiß noch ganz genau als ich mich das erste mal selbst verletzte, ich war wie so oft Nachts in der kleinen Markt-Gemeinde unterwegs, spazierte stundenlang umher und schaute ob ich nicht jemanden finde den ich kannte, an diesem Abend war ich allerdings nicht gut drauf (da ich ja zwischenzeitlich nicht mehr bei meinem Vater lebte sondern bei dessen damaliger Freundin also seiner Ex, hab ich daran keine Gedanken verschwendet), nein es wahr wohl eher das Gefühl dass ich so langsam zwar keine richtigen Freunde habe sondern wie ich mir damals so recht überlegte nur Leute mit denen man zum saufen und Party machen gehen kann, aber keine die einem über Probleme hinweg halfen. Unglücklich verliebt war ich damals öfters, aber ich machte mir nicht allzu viel daraus ich hatte schon meine Männer, um es so zu sagen hab ich immer schnell neue Kerle kennengelernt jedoch wusste ich immer wie weit ich gehen kann und will. An diesem besagten Abend jedoch, ging mir so vieles durch den Kopf, ich wollte nicht mehr, immer standen mir Probleme ins Haus, sei es gerichtliches mit meinen Eltern, Geldsorgen so ohne Ausbildung und naja von Schule kann man ja nicht leben, Einsamkeit, hatte das Gefühl nur ausgenutzt zu werden, und naja wie es so war traf ich an diesem Abend doch noch ein paar Leute an der Tankstelle, aber irgendwie haben sie mich nicht beachtet, ich dachte damals auch sie hätten sich über mich lustig gemacht, Gedanken Schluß zu machen hatte ich damals oft nur nicht den Mut, ich schlich mich früher oft an den Bahngleisen entlang, spazierte über Brücken wobei mir immer der gleiche Gedanke kam „Ich mag nicht mehr“. Schlußendlich saß ich mich auf den Boden, während die anderen noch ein Stück hinter mir an ihrem Wagen standen und lachten und redeten, nahm das Feuerzeug aus meiner Tasche, meinen Schlüsselbund wählte mir den kreisrunden Metallanhänger und hielt ihn an die Flamme meines Feuerzeuges, mein Herz schlug mir bis zum Hals, meine Hände waren überzogen von kaltem Schweiß und mein Atem ging immer schwerer als ich dann beschloß es zu tun, ich drückte mir den heißen, vom Ruß geschwärzten Anhänger auf den Handrücken und drückte mit dem Feuerzeug noch nach, die Hand fühlte sich immer kälter an, es zog mir ein stechender Schmerz durch den ganzen Arm und die Finger zitterten ein wenig, ich brannte mich noch zweimal auf die gleiche Stelle und der Schmerz wurde immer weniger. Ich fühlte mich innerlich leicht und freier als zuvor. Ich weiß nicht warum aber es war wie wenn eine schwere Last von einem fällt. Auf dem nach Hause weg brannte es noch leicht aber angenehm. Am nächsten morgen hatte ich eine rießige Blase auf der Hand und da ich keine Wunde heilen lasse zumindest nicht so schnell hab ich mir die Blase aufgestochen und die Haut abgezogen. Der Anblick des puren Fleisches welches mit weißen und roten Flächen durchzogen war, bannte mich. Sobald sich wieder eine Schicht Haut bzw. Kruste gbildet hatte hatte ich ein zwanghaftes Gefühl diese zu entfernen, Anfangs ging das noch einfach, später war es ein Kräftemessen da die Haut richtig fest saß, aber ich musste Sie abreißen, dann floß Blut, der Anblick machte ein wunderschön wonniges, zufriedenes Gefühl in mein Gemüt, es fließen zu sehen befriedigte mich, seelisch. Immer wieder habe ich es fortan getan wenn ich das Gefühl habe innerlich zu zerplatzen, das Gefühl jemand würde mir den Hals zudrücken mich einengen, ich hasse mich oft für Dinge die ich im eifer des Gefechts sage, ich habe immer das Gefühl schuldig zu sein, auch wenn mir dagegen gesprochen wird. Meine Narben hasse ich nicht sie gehören zu mir sie erinnern mich an die Situationen in denen ich mir keinen anderen Ausweg wusste, in denen ich mit meinen Gefühlen allein zu sein schien, mich unverstanden fühlte mich am liebsten umbringen würde. Meine Narben haben grundsätzlich einen Durchmesser von ca. 4 bis 1 cm, sind lila zumindest die neueren und haben eine Bedeutung. Auf Fragen meiner Mitmenschen antworte ich meistens nur, ich hab mich verbrannt am Ofen, Herd, Bügeleisen...! Die Blicke sind zwar skeptisch aber ich gehe nie weiter darauf ein, verstecken tue ich meine Narben aber dennoch nicht, die einzigen die von meinem Verhalten wissen sind meine Mutter, mein Beziehungen, meine Großmutter und meine Schwester mit der sich das Verhältnis zunhemend gebessert hat und eigentlich kann man sagen ein gutes geworden ist. In letzter Zeit fange ich jedoch wieder häufiger an mich selbst zu verletzen, nicht nur brennen sondern auch cutten, die Probleme haben sich wieder gehäuft, ich habe ziemliche finanzielle Engpässe zu bewältigen, da ich jetzt eine eigene Wohnung habe seit Anfang des Jahres, eine neue Beziehung (zum Glück), in meiner Ausbildung fühle ich mich nicht sehr wohl, das Gehalt ist gering und die Kosten, das Leben zu teuer, zu schaffen macht mir dass ich mir keine Wünsche erfüllen kann, kein einigermaßen normalen Lebensstandart sichern kann und keinen Führerschein besitze, mir fehlt das Gefühl der unabhängigkeit, ich fühle mich zur Zeit eingeengt, überfordert, seit meinem 15 Lebensjahr sprich in den letzten 4 Jahren bin ich nun 10 mal umgezogen, mir fehlt Standhaftigkeit, ich denke immer eine Familie gründen zu wollen um all dies zu erreichen, Wärme, Geborgenheit, eine erfüllte Tätigkeit die mir Freude macht, finanziell unabhängiger zu sein, sich nicht jeden Bissen überlegen zu müssen, und zu allem Überdruss nimmt der Hang zur Essstörung immer mehr zu, ich könnte einfach platzen vor lauter Gedanken und Gefühle, vor lauter Ängste, Zukunftsängste. Ich weiß nicht wie es weiter gehen wird den Kontakt zu meinem Vater habe ich ganz abgebrochen ich sehe ihn nur noch gezwungenermaßen vor Gericht, damit er mir mal Unterhalt zahlt, doch seine neue Familie ist ihm wohl weitaus wichtiger. Das Verhältnis zu meiner Mutter hat sich gebessert, jedoch darf nicht zuviel Kontakt entstehen sonst werde ich nur Aggressiv. Ich hasse mich und mein Leben, die Ängste die mich verfolgen und das Ungewisse was auf mich zu kommt. Ich fühle mich überfordert und niemand hört meine Hilfeschreie, wobei ich Hilfe auf der einen Seite gar nicht annehmen kann bzw. will, dass verstößt gegen meine Stolz. Ach ich bin einfach durcheinander und ich weiß nicht wie alles sein Ende nehmen wird, aber es wird früher oder später.
 
21.03.2006
 
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