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Don't give a fuck if I cut my arm bleeding!

Kaleigh, 16 w

Etwa im Oktober 2005 fing das Ritzen bei mir an. Zu diesem Zeitpunkt war ich in einen guten Freund von mir verliebt und als ich ihm auf sein Drängen hin sagte, was mit mir los ist, sagte er mir klipp und klar, dass ich keine Chance bei ihm habe. Das hat mich zu diesem Zeitpunkt wirklich fertig gemacht und da ich von zwei Freundinnen die ritzen wusste, dass es ihnen half, kam ich auf die Idee das auch zu machen. Als ich das erste Mal ritzte kam mir das unglaublich schlimm vor, doch im Nachhinein sage ich dass das damals Kratzer waren, im Gegensatz zu dem was ich im Laufe der Zeit gemacht habe. Von da an ritzte ich, mal mehr mal weniger, je nachdem wie schlecht es mir gerade ging. Ich stürzte dann quasi ab, es war als ob es nichts Gutes mehr in meinem Leben gebe, ich konnte es einfach nicht mehr sehen und fühlte mich in diesem schwarzen Loch in das ich vor dem Ritzen immer fiel so schrecklich hilflos und hatte durch das Ritzen das Gefühl etwas gegen diese Machtlosigkeit tun zu können. Irgendwann hielt ich dieses alberne Versteckspiel nicht mehr aus, meine Freunde machten mir Vorwürfe, dass ich mich so sehr zurückziehen würde, auch der Freund in den ich verliebt war. Also habe ich es zwei Freunden gesagt. Demjenigen wegen dem ich damit angefangen hatte und einem anderen guten Freund. Etwas später dann auch noch einer Freundin von der ich wusste, dass sie schon seit mehr als 2 Jahren ritzte. Derjenige, wegen dem ich das angefangen hatte (ich will ich jetzt nicht die Schuld dafür geben, die klinge habe ich noch jedes mal geführt!) war schrecklich wütend auf mich und hat daraufhin kaum noch mit mir gesprochen. Er wollte nie die Gründe wissen. Der andere Freund dem ich es erzählt hatte, sagte dass das dumm wär, rastete aber nicht aus. Auch er fragte nicht nach den Gründen. Die Freundin die selber ritzt, war traurig darüber, und sagte zum Thema Gründe nur: "Ich weiß ja was dahinter steht.". Da ich aber das Bedürfnis hatte, über die Gründe zu sprechen, ging ich ins Internet und suchte mir mehrere Foren aus, in denen ich auch jetzt (März 2006, 1 Moant ritzfrei) noch schreibe. Kurz vor Weihnachten beschloss ich aufzuhören und es funktionierte auch etwa 2 Wochen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich den anderen schon überwunden. Dann kam ich jedoch mit meinem damaligen Freund zusammen und irrerweise fing ich da wieder an. Ich weiß nicht warum, ich bin wieder einmal abgestürzt und konnte nichts mehr tun. Ich sah keinen anderen Ausweg mehr. Mein Freund war damals sehr bestürzt und traurig und das hat mich noch mehr fertig gemacht, habe mich selber immer mehr als Versagerin gesehen. Mittlerweile waren die Schnitte ziemlich tief und es wurde auch wieder häufiger. Mein Freund versuchte mir zu helfen, hat mir gesagt, dass ich ihn jederzeit anrufen könne und mir auch vorgeschlagen eine Therapie zu machen, er würde mitgehen und alles. (Er ist selber depressiv und macht deswegen eine Therapie). Aber ich ging nicht darauf ein, ich wollte mir nicht helfen lassen. Nicht bewusst, eher unbewusst. Immer wenn mich wieder das Ritzverlangen überkam, suchte ich fast verzweifelt nach einem Grund, aus dem ich meinen Freund nicht anrufen konnte. Meistens schnitt ich mich dann wenn er grade arbeiten war oder ich sicher war, dass er schlief. Wenn er dann fragte, warum ich nicht angerufen hätte, habe ich immer gesagt: "Ich wusste, dass du schläfst und am nächsten Tag Frühdienst hattest, da wollte ich dich nicht wachklingeln." Oder so etwas in der Art. Es machte mich jedes Mal total fertig, allein an seiner Stimme zu hören wie traurig er darüber war, dass ich es wieder nicht geschafft hatte. Dadurch geriet ich dann in einen Teufelskreis, ich ritzte, sagte es ihm, er war traurig, ich ritzte deswegen wieder usw. Ich hörte auch viel Musik die mit Ritzen, sterben, Selbstmord und ähnlichen Dingen zu tun hatte, die alles nur noch schlimmer machte. Das schlimmste war eindeutig: "Last Resort" von Papa Roach, wenn ich dieses Lied hörte, konnte ich dem Ritzverlangen nie stand halten und auch jetzt merke ich noch diese starke Kraft, die von diesem Lied ausgeht, die versucht mich wieder in dieses Verhalten zurückzuziehen. Dann sagte mein Bruder mir (er weiß nichts von meinem SVV), dass er glaubt, dass ich nur mit meinem derzeitigen Freund zusammen sei, um denjenigen in den ich vorher verliebt war, zu vergessen. Natürlich stritt ich alles ab. Doch dann fing ich an, doch mal genauer darüber nachzudenken. War es so wie mein Bruder gesagt hatte, sah ich B. wirklich zu oft an? (B., mein Bruder und ich sind gemeinsam in einem Fanclub). Für mich war es schon fies genug meinem Freund gegenüber, dass sich mir diese Frage überhaupt stellte. Ich versuchte, eine Entscheidung zu finden, was ich jetzt tun sollte, doch als ich sie dann gefunden hatte, wollte ich sie nicht wahr haben. Eine Woche quälte ich mich damit herum, eine Woche ritzte ich jeden Tag, meist sogar drei- bis viermal an einem Tag. An einem Abend telfonierte ich dann mit meiner besten Freundin (auch sie wusste nichts von meinem SVV) und sie fragte mich ganz unverblümt: " Sag mal, ritzt du?". Ich wollte sie nicht belügen und sagte es ihr deshalb. Wir redeten noch eine ganze Weile darüber und am nächsten Tag wollte sie es sehen. genau wie mein Freund. Immer wenn ich ihm erzählt hatte, wollte er es sehen. Ich zeigte es ihr und sie war geschockt. Irgendwie hat mich das wachgerüttelt. Dieser blanke Schock, diese Fassungslosigkeit in ihren AUgen, das holte mich aus meiner Ohnmacht. Gleichzeitig steckte ich damals im Sozialpraktikum und ein Arbeitskollege, er war Musiker, Psychologe und absolut faszinierend, hatte sich viel mit mir unterhalten. Er hat mir gezeigt, dass ich es wert war. (Was, hat er mir nie gesagt, aber ich habe meinen eigenen Gedanken dazu entwickelt.) Er hat mir ganz ruhig zugehört, mich aber gleichzeitig auch analysiert, er wusste so vieles allein darin zu lesen, wie ich mich gab, es war einfach faszinierend. Er half mir, mich selber und andere besser zu verstehen, deswegen konnte ich auch aufhören. Weil ich begriff, dass ich andere Möglichkeiten habe. Ich meine, ich wusste auch vorher, dass es andere Möglichkeiten gibt, aber erst jetzt hatte ich es begriffen. Jedenfalls schloss ich dann mit meiner besten Freundin einen Deal, nämlich dass wir beide aufhören zu ritzen (sie hat zu dem Zeitpunkt 2-, 3-mal geritzt, aber bei ihr war es wieder ganz anders), weil wir gemeinsam mit ihren Eltern nach Griechenland fahren wollten, und da konnte man sowas beim besten Willen nicht verstecken. Ich fuhr also zu meinem Freund und teilte ihm meine Gedanken mit. Er war fertig, aber er hat es verstanden. Danach hatte ich wieder das Ritzverlangen, aber diesmal bin ich zu meiner besten Freundin, die glücklicherweise nur eine Straße weiterwohnt, gegangen. Leider hatte ich dann nach 10 Tagen doch noch einen Rückfall, das war der 07.02. Und seitdem habe ich nicht mehr geritzt, es war zwar manchmal, besonders am Anfang, schwer, dem Verlangen stand zu halten, aber irgendwie habe ich es doch immer wieder geschafft. Ich probierte alle Alternativen aus, die ich finden konnte, denn jede half bei mir nur ein einziges Mal. Doch mittlerweile finde ich einen anderen Weg als das Ritzen, meist rufe ich meine beste Freundin oder meinen Ex-Freund, mit dem ich immer noch sehr gut befreundet bin, an. Gestern war mein erster Monatstag und ich habe mich wahnsinnig gefreut, als alle meine engen Freunde, denen ich davon erzählt habe, daran gedacht haben. Meine beste Freundin schenkte mir sogar einen "Lucky Bamboo" und sagte mir noch dazu: "Wenn du mal wieder depri bist, musst du den hier ansehen." Ich habe gelernt, das Leben nicht mehr so negativ zu sehen, doch trotzdem sehne ich mich auch jetzt noch manchmal danach, einfach die Klinge zu nehmen und meinen Arm aufzuschneiden, dass das Blut in Strömen fließt. Aber ein anderer Teil von mir hält mich jedes Mal wieder davon ab, worüber ich einerseits sehr froh darüber bin, es tief in meinem Inneren aber auch bedauere.
 
09.03.2006
 
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