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unverstanden und allein

Mohi, 15 Jahre

Wann und warum ich genau angefangen habe, weiß ich eigentlich gar nicht so genau. Ich war so um die 12 denke ich. Plötzlich trennten sich meine Eltern ohne vorherige Anzeichen oder Vorwarnungen, ohne vorherigen Streit. Ich konnte es nicht verstehen. Prompt hatte meine Mutter einen neuen Freund, mein Vater, der meine Bezugsperson war/ist, zog weg. Er verließ die Stadt, sodass ich ihn nicht mehr so oft sah. Genau genommen meist nur in den Ferien.
 
Ich begriff die Situation damals gar nicht richtig. Ich fing an meine Mutter dafür zu hassen. In meinen Augen war sie daran schuld, dass unsere Familie kaputt gegangen ist. Ich hätte mir das vorher nicht träumen lassen. Unsere Familie doch nicht. Und von einen auf den anderen Tag wurde es dann doch wahr.
 
Ich verdrängte dieses Problem. Ich verdrängte, dass ich meine Bezugsperson verloren hatte, dass meine Familie von nun an nie wieder so sein sollte wie früher.
Mein älterer Bruder spielte sich auf, als sei er der Herr im Hause und als hätte er das Sagen. Er stritt sich immer öfter mit meiner Mutter und auch ich kam immer weniger mit ihr klar.
 
Mit der Zeit kam mein erster Freund. Als er mich verließ brach eine Welt zusammen. All meine Hoffnung zerstört. Doch der erste Cut sollte erst in einem Jahr folgen. Ich kam ein 2. Mal mit ihm zusammen (nach ca. einem Jahr) und er verließ mich erneut. Ich war bereits am Ritzen. Warum, was der Auslöser genau war, der dass Fass zum überlaufen brachte weiß ich nicht mehr. Ich glaubte (und glaube es immer noch), dass das Ritzen der Grund dafür war, dass er mich erneut verließ.
 
Ich zweifelte immer mehr an mir und meinem Leben, vertraute meiner Mutter immer weniger, fühlte mich immer missverstandener. Keiner verstand mich, ich hatte das Gefühl allein zu sein, dabei war ich es gar nicht. Meine Freunde sagten mir, ich solle aufhören mit dem Ritzen, doch ich hörte nicht auf sie. Sie verstanden es nicht wie man sich fühlt wenn man es tut, warum man es tut. Sie wussten nichts über SVV. Sie sahen nur, dass ich mich verletzte und wollten mir helfen doch sie taten genau das Falsche. Sie versuchten mir die Messer wegzunehmen und setzten mich so unter druck. Dadurch machten sie es nur noch schlimmer ohne es zu wissen.
Es folgte ein weiterer Freund. Mit ihm hatte ich es fast geschafft. Durch ihn war ich fast davon losgekommen, doch auch er verließ mich. Ein halbes Jahr später war ich durch die Hilfe eines Freundes, (durch die Tatsache, dass er mir einfach nur schweigend zuhörte und mir Trost spendete, mich so nahm wie ich bin,) trotz des heftigen Rückschlags den ich durch die Trennung erlitten hatte, „clean“.. Ich ritzte zwar nicht mehr, dachte aber zunehmend oft an Selbstmord. Ich hielt es allerdings nur ein halbes Jahr ohne Cutten aus. Nach einem gescheiterten Selbstmordversuch, fing ich wieder an zu ritzen. Es war das Gefühl, dass mir zeigte, dass ich noch am Leben war, wenn ich es tat, dass mich zurück zum Cutten brachte. Der ganze Druck und der ganze seelische Schmerz scheint mich mit dem Blut zu verlassen. Als würde ich weinen, nur dass meine Tränen rot sind - Sie sind Blut.
Viele halten mich für krank wenn sie dies hier lesen würden, doch das bin ich nicht. Es ist lediglich meine Art, Stress zu verarbeiten. Doch viele sehen das nicht und verstehen so etwas nicht. Sie sagen nur, ich solle es lassen, fragen aber nicht wieso ich das tue. Sie sehen nur das glückliche Mädchen, das sie sehen wollen, aber sehen ihm nicht in die Augen, sonst wüssten sie, wie es mir geht, wie ich mich fühle und, dass ich gar nicht mal so glücklich bin wie ich scheine und vorgebe es zu sein. Ich habe mir mit der Zeit eine Maske aufgezogen, weil ich Angst davor habe, dass zu viele mein wahres ICH sehen. Ich habe Angst, Angst ihnen zu vertrauen, Angst meine Freunde mit meinem Verhalten zu verletzen. Dadurch befinde ich mich in einem Teufelskreis, weil mich diese Angst unter Druck setzt. Wenn der Druck zu groß wird, greife ich wieder zum Messer. Ein Schnitt, und noch einer, und noch ein weiterer. Das Blut fließt und alles scheint von mir abzufallen. Die ganze Angst, der Stress, der Druck, Das Gefühl, allein zu sein. Weitere Schnitte folgen.
Ich sehe das Blut aus den Schnitten quellen, wie Tränen aus meinen Augen wenn ich weine, und dieses Blut beweist mir, dass ich Lebe, dass ich noch nicht tot und leer bin, wie ich mich sonst so oft fühle.
 
Zu allem Überfluss habe ich jetzt auch noch Stress mit meinem besten Freund. Er war der Einzige mit dem ich immer über SVV reden konnte. Und jetzt? Ich kann nicht mehr über dieses Problem reden und muss alles in mich hinein fressen. Dazu noch Stress zu Hause.. Und wenn ich Pech habe werde ich bald noch mehr Stress zu Hause bekommen wenn meine Klassenlehrerin wirklich hier anrufen sollte und meiner Mutter erzählen sollte, dass ich manchmal schwänze.
 
26.11.05
 
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