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Lebensgeschichte

Carmen, 14 Jahre

Ich möchte euch meine Lebensgeschichte erzählen, weil ich hoffe, dass es mir danach vielleicht etwas besser geht.
 
Alles fing damit an, dass ich wegen irgendeiner Sache, die ich heute selbst nicht mehr weiß streit mit einem meiner besten Freunde hatte. Erst waren es nur Kleinigkeiten und wir und wir vertrugen uns auch wieder, aber mit der zeit wurde es immer schlimmer. Wir sprachen nichts mehr miteinander ,- mittlerweile hatte er sowieso andere Freunde gefunden…Ich weiß nicht mehr wie es dazu kam, dass dann alles aus dem Ruder gelaufen ist. Irgendwann jedenfalls bin ich ausgerastet, weil ich einfach nicht mehr sehen konnte wie er mit seinen neuen tollen Freunden Spaß hatte und ihm unsere Freundschaft total egal war, während ich mir ständig Gedanken darüber machte. Ich schrieb Sachen auf seinen Tisch in der Schule wie : es wäre mir scheiß egal wenn du tot wärst,- und dass war noch die harmlosere Variante. Dass war wohl der Auslöser, denn von da an versuchte er mich fertig zu machen. Er versuchte Leute, mit denen ich eigentlich gut befreundet war und die ich schon länger kannte als ihn, gegen mich aufzuhetzen – was ihm teilweise auch gelang.
 
Aber ich versuchte trotzdem alles um ihm zu zeigen wie leid es mit tat, bombadierte ihn mit Entschuldigungen per sms und versuchte mit ihm zu reden aber er war reagierte nicht. Wenn ich ihn aus versehen ansah schrie er ich solle gefälligst woanders hin glotzen ….
 
Und als ich darüber nachdachte, wusste ich dass er Recht hatte. Früher hatte er mir alles erzählt und dann schrieb ich auf seinen Tisch „er solle endlich verrecken…“
 
Ich glaube dass war der Zeitpunkt, als ich das erste mal die Klinge in die Hand nahm. Zu spühren wie mir das Blut über den Arm lief gab mir das Gefühl etwas von dem gut zu machen, was ich bei meinem Freund falsch gemacht hatte.
 
Erst machte ich es nur wenn es mir besonders schlecht ging. Etwa wenn er mich wieder als dumme Schlampe bezeichnete und versuchte mich bei den anderen schlecht zu machen. Doch mit der Zeit hatte ich es nicht mehr ich griff. Egal was schief lief ,- die Klinge, das Messer oder auch die Glasscherbe,- es war scheinbar der einzige Weg um mich besser zu fühlen.
 
Meine Freunde bekamen von all dem erst nichts mit. Doch eines Abends als ich in meinem Bett lag, wieder die Klinge in der Hand, konnte ich nicht mehr. Ich erzählte einer meiner Freundinnen davon.
 
Was ich dann erfuhr war voll einer der größten Schocks in meinem Leben. Erst wollte sie es nicht wirklich zugeben, doch dann erzählte sie mir, dass sie sich auch ritzte.
 
Von da an ging es nur noch bergab. Wir zogen uns gegenseitig runter. Ging es einer von uns besser, merkte sie dass es der Anderen wieder schlechter ging und auch ihr ging es dann wieder mies. Es war wie ein Kreislauf. Auch unsere anderen Freundinnen wussten nun bescheid und machten sich schreckliche sorgen. Das Leben war wohl für uns beide nur noch eine Art Spießrutenlauf. Immer darauf achtend, dass keiner die Narben sah, dass die Familie nichts mitbekam.
 
Nichts machte mehr sinn. Denn auch ansonsten lief in meinem eigentlich sonst so tollen Leben alles scheiße! Oft spielte ich mit dem Gedanken mir die Pulsschlagader aufzuscheiden. Genau wie meine Freundin.
 
An einem Tag als alles wieder mal besonders scheiße war nahm ich schließlich die Wodkaflasche in die Hand. Zusammen mit einigen Schlaftabletten und Schmerzmitteln. Ich schluckte alles. Doch als ich am nächsten Tag aufwachte musste ich feststellen, dass ich noch lebte.
 
Ich merkte selbst dass es so nicht mehr weiter gehen konnte vor allem weil es meiner Freundin noch schlechter ging, seitdem sie die Sache mit den Tabletten und dem Alkohol erfahren hatte. wir redeten lange und wollten endlich aufhören mit dem ritzen.
 
Aber ich schaffte es nicht. Auch meine Freundin fing wieder an sich zu schneiden nach dem sie von meinem Rückfall erfahren hatte. Alles fing wieder von vorne an und es ging mir noch mieser…
 
Nach einem weiteren Gespräch wollten wir nun endlich aufhören. Diesmal wirklich. Sie hat es bis heute geschafft. Ich nicht. Mittlerweile mache ich es nur noch sehr selten. Was allerdings wohl daran liegt, dass ich einen neuen Weg gefunden habe meine Probleme kurzzeitig „zu beseitigen“.
 
Drogen.
 
Ich versuche im Moment davon wegzukommen. Ob ich es schaffe weiß ich nicht, aber ich werds auf jeden fall weiter versuchen. Schon allein wegen meinen Freunden.
 
Mit dem Jungen, mit dem ich so stress hatte verstehe ich mich mittlerweilen wieder ganz gut. Er hat mir verziehen aber so wie früher wird es nicht mehr.
 
In jeder Hinsicht.
 
Denn die Narben und die Verletzungen auf dem Körper und der Seele bleiben ewig.
 
23.10.05
 
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