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Mein Weg

Franziska, 18

Nach langem überlegen und guten zureden von ein paar guten Freunden habe ich mich dazu durchgerungen aufzuschreiben was mich über die Jahre hinweg kaputt gemacht hat.
 
Ich habe mich dazu entschlossen ein für allemal Schluss zu machen mit meinem alten Leben, alles hinter mir zu lassen was mich bis jetzt zerstört hat. Der einzige Mensch aus dieser Zeit den ich nicht verlieren möchte ist meine Schwester. Ohne ihren Mut wäre ich bestimmt nicht mehr am Leben.
 
Angefangen hat es mit meiner Einschulung als sich herausstellte das irgendwas nicht stimmt. Ich konnte sehr gut rechnen aber schreiben und lesen ging einfach nicht. Mein Vater fing an mit mir zu üben. Aber es wurde nicht besser. Meine Oma begann ihn aufzuhetzen sie sagte immer das ich nicht seine Tochter sein kann weil es bei ihnen in der Familie keine Bekloppten gibt. Mit der Zeit wurde das immer schlimmer und mein Vater begann mich zu schlagen wenn ich Fehler machte. Manchmal wenn er sehr wütend war hat er meinen Kopf auf den Tisch geknallt und wen dann mein Heft blutig war musste ich es neu abschreiben. Meine Lehrerin hat versucht mit meinen Eltern zu reden aber die haben nichts unternommen damit es besser wird mit dem schreiben. Weil sie dann nicht mehr weiter wussten haben sie mich auf die Förderschule geschickt. Dort hat der Psychologe gesagt das ich überdurchschnittlich Intelligent aber Legastheniker bin und ich eigentlich auf eine spezielle Schule müsste mit Lehrern die dafür ausgebildet sind. Da es aber nicht möglich war hat sich auch nichts geändert. Bis ich zehn war, war alles noch einigermaßen erträglich weil mein Opa noch lebte und mich immer in Schutz nahm vor den anderen. Er hatte einen Schlaganfall und wurde in ein Heim abgeschoben wo er kurz darauf starb.
 
Jetzt begann die Hölle über mich hereinzubrechen. Meine Oma war sehr fies zu mir, sie sorgte dafür das meine Freunde nichts mehr von mir wissen wollten, sagte sehr schlimme Sachen zu mir wie „Du bist zu allem zu dämlich, früher hätten sie so was vergast.“ Ich habe mich immer sehr über solche Sachen geärgert weil sie das auch vor anderen Leuten sagte. Wenn es mit den Hausaufgaben nicht so klappte wie sie das wollte und das war immer weil ich ja Legastheniker bin gab es Schläge entweder mit einem Gürtel oder mit einem Kochlöffel. Meistens sperrte sie mich dann in den Keller immer mit den Worten „Ich kann deine bekloppte Fresse nicht mehr sehen.“ Es kam dann schon mal vor das ich einen ganzen Tag und länger im Keller verbringen musste ohne Licht. Meine Mutter sagte dazu immer nur das ich sie nicht provozieren soll. Ich fühlte mich so allein, der einzige Mensch der noch zu mir hielt war meine Schwester. Wenn sie nicht gewesen wäre hätte ich nicht gewusst was ich mache.
 
Kurz nach meinem 12 Geburtstag war es dann wieder sehr schlimm. Weil ich sitzen geblieben bin durfte ich nicht mit in den Urlaub und musste bei meiner Oma bleiben. Ich musste den ganzen Tag in meinem Zimmer sitzen und Bücher abschreiben. Weil ich trotzdem viele Fehler machte wurde sie sehr wütend und sperrte mich in den Keller. Ich war schon sehr lange da unten und hatte einen wahnsinnigen Durst. Meine Oma hatte immer Eingewecktes im Keller stehen vor dem ich mich immer geekelt habe weil vieles schon viel älter war als ich. Aber der Durst war so groß das ich ein Glas auf machte. Dabei ging der Deckel kaputt und ich schnitt mir in die Hand. Weil mir langweilig war habe ich dann mit den Scherben meine Arme geritzt. Ab diesem Tag habe ich mich dann immer geritzt wenn ich im Keller war das tat mir gut weil es die schlechten Gedanken vertrieb und mich irgendwie Frei machte. Als mich meine Oma aus dem Keller holte und meinen linken Arm sah rastete sie völlig aus und fing an mich zu schlagen es wurde immer schlimmer und ich hatte starke Schmerzen. Weil ich so laut geschrieen habe klingelte unser Nachbar und sagte zu meiner Oma wenn er mich noch einmal so schreien hört zeigt er sie an. Ab dem Tag bekam ich keine Schläge mehr von meiner Oma weil ich jedes Mal wenn sie ausholte ihr sagte das ich anfange zu schreien wenn sie zuschlägt. Sie sperrte mich dann meistens nur in den Keller. Dort begann ich mir immer Muster auf den Arm zu ritzen und war dann sehr gespannt was dabei rausgekommen ist wenn ich wieder aus dem Keller raus war.
 
Das ging ein Jahr gut bis mein Vater mitbekam das ich meine Oma erpresste. So nannte er es jedenfalls. Er drehte völlig durch und begann mich zu Schlagen erst mit der Hand dann mit einem Rohr vom Staubsauger. Irgendwann ging meine Schwester dazwischen, sie wollte das er aufhört. Er war so wütend das er sie nahm und gegen die Tür knallte sie ging zu Boden und er fing an nach ihr zu treten. Ich fing an zu schreien das er aufhören soll doch er machte immer weiter. Meine Schwester bewegte sich schon nicht mehr und ich schrie wie am Spieß. Nach einer weile klingelt unser Nachbar und schlug gegen die Tür er sagte das er die Polizei gerufen hat. Mein Vater hörte sofort auf mit den Schlägen und rannte aus dem Zimmer. Ich ging zur Tür und lies den Nachbarn rein. Er kümmerte sich gleich um meine Schwester und rief mit seinem Handy die Ambulanz. Meine Schwester hatte sehr schlimme Verletzungen und lag dann fast ein halbes Jahr im Krankenhaus. Ich brauchte nur 2 Monate im Krankenhaus liegen.
 
Nachdem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde kam ich in ein Kinderheim. Da ging es mir eigentlich sehr gut weil dort jemand war der sich um Kinder mit Legasthenie kümmerte. In den 6 Monaten im Heim wurde es sehr viel besser mit dem Lesen und schreiben. Nach der Gerichtsverhandlung von meinem Vater musste ich wieder nach Hause. Meine Schwester ist gleich nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen wurde zu Hause ausgezogen. Meine Oma schikanierte mich wo sie konnte und mir ging es wieder sehr schlecht. Es wurde so schlimm das ich von zu Hause abgehauen bin und mich in Berlin versteckt habe. Nach 10 Monaten hat mich dann die Polizei gefunden und wieder nach hause gebracht.
 
Meine Oma und meine Mutter hatten sich verstritten und als ich wieder nach Hause kam zog meine Mutter mit mir zu einem Mann den sie kennen gelernt hatte. Ich hatte am Anfang große Angst vor dem Mann, er hatte lange Haare und hörte meistens laut Musik die mir damals überhaupt nicht gefiel. Er versuchte immer mit mir zu reden und ich hab ihm gesagt das er mich in ruhe lassen soll weil ich nichts mit ihm zu tun haben wollte. Eigentlich ging es mir sehr gut bei ihm er lies mich in ruhe und nahm mich sogar in Schutz wenn meine Mutter mal wieder mit mir schimpfte. Ich habe dann einen Jungen kennen gelernt bei dem ich mich sehr wohl fühlte. Ich war sehr erstaunt als sich rausstellte das es der Sohn von meinem „Stiefvater“ ist. Bei ihm und seinen Freunden war alles so anders als da wo ich erst gewohnt habe. Ihnen war das völlig egal das ich auf die Förderschule ging. Mir ging es immer besser und ich hörte auf mit ritzen.
 
Drei Jahre nachdem wir bei meiner Oma ausgezogen sind stand dann plötzlich mein Vater vor der Tür und wollte das wir wider nach Hause kommen. Meine Mutter gab nach und ich musste mit. Es begann die schwärzeste Zeit meines Lebens. Ich durfte meinen Freund nicht mehr sehen meine Musik nicht mehr hören und wurde wieder eingesperrt. Ich fing wieder an mit ritzen diesmal aber sehr schlimm. Es war sogar so schlimm das es einmal nicht mehr aufhörte zu bluten und ich vor lauter Angst zum Arzt gegangen bin. Meine Mutter hat mich daraufhin zu einem Psychologen geschickt. Für den war ich eine verzogene Lügnerin die sich nur wichtig machen wollte und er machte mich jedes Mal so richtig runter wenn ich bei ihm war. Ich sagte das meiner Mutter und bekam zur Antwort „Du hast angefangen mit dem Mist jetzt musst du da durch.“ Sie brachte mich jedes Mal hin und holte mich wieder. Es war dann so schlimm das er mich anfing zu beschimpfen als kleine Schlampe die in Berlin auf den Babystrich gegangen ist. Da bin ich ausgerastet und auf ihn Los. Ich habe wie in Trance auf ihn eingeprügelt. Hinterher ging es mir besser. Es hatte nur den Nachteil das er mich Zwangseinweisen lies. Hochgradig Suizidgefährdet und noch andere tolle Sachen und genau danach wurde ich auch behandelt. Sobald ich irgendetwas machte was nicht den Regeln entsprach wurde ich fixiert. Es waren 4 ganz schlimme Monate bis mein Therapeut endlich sagte das es wohl eine Fehldiagnose war die mich hier hergebracht hat. Am liebsten würde ich die Zeit aus meinem Leben streichen.
 
Nach dem Klinikaufenthalt hatte ich zu Hause nur noch Spießrutenlaufen. Für alle war ich die Durchgeknallte aus der Anstalt. Ich war sehr froh das ich eine Lehrstelle im Nachbarort bekam. Ich ging zum Vater von meinem Freund und fragte ob ich bei ihm Wohnen darf. Er sagte das er nichts dagegen hat und ich war überglücklich. Das ging dann eine ganze weile sehr gut. Bis mein Vater auftauchte und mich fertig machte. Er wollte das ich wieder mit nach hause komme. Es wurde immer schlimmer und der Druck war so groß das ich wieder anfing mit ritzen.
 
Das blöde an der Sache war das es der Vater meines Freundes mitbekommen hat. Ich könnte mich heute noch Ohrfeigen das ich ihn damals so angefahren habe weil er mir seine Hilfe angeboten hat, ich hab ihm sogar Geschirr zerschlagen bei einem Wutanfall. Der Druck den mein Vater auf mich ausübte war so groß das ich meine Selbstbeherrschung verlor. Ich machte völlig dicht es sollte keiner an mich ran kommen. Ungefähr eine Woche nachdem er gesehen hatte das ich mich schneide stand meine Mutter vor der Tür und wollte mich nach Hause holen ich bin vollkommen abgedreht weil ich dachte er hat mich verraten obwohl er mir versprochen hatte nichts zu sagen. Heute schäme ich mich dafür das er mich so gesehen hat. Meine Mutter hat mich dann mit nach Hause genommen. Mit in ein zu Hause was ich nicht haben wollte, ich hätte alles dafür getan nicht mit zu müssen. Ich war noch gar nicht richtig zu Hause da begann mein Vater schon wieder auf mich einzuprügeln. Glücklicherweise hat unser Nachbar es gesehen und sofort die Polizei gerufen.
 
Ich musste wieder ins Krankenhaus aber ich wollte unbedingt raus damit ich an meinem 18. Geburtstag zu Hause ausziehen kann. Ich bin dann sofort zum Vater von meinem Freund gezogen. Aber es war alles anders als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte unheimliche Ängste die so schlimm waren das ich mich wieder schneiden musste. Das war dann bis jetzt das letzte mal.
 
Jetzt geht es mir sehr gut und ich glaube ich bin angekommen in meinem neuen Leben. Ich habe jetzt das Leben was ich mir immer gewünscht habe nur meine Ängste und das blöde in Deckung gehen wenn sich jemand schnell bewegt muss ich noch in den Griff bekommen.
 
08.08.2004
 
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