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Mach die Augen zu...

Stürmische Seele, 16 Jahre

Meine Kindheit war wunderbar und schön, würden Außenstehende oder meine Eltern sagen. Ich wurde verwöhnt, weil ich die jüngere von zwei Mädchen war und bekam viele Sachen die ich wollte.
 
Die Tatsache wie ich sie schon damals empfand, sah ganz anders aus: Ich war oft allein, ich KONNTE mich mit mir selbst beschäftigen und ein großes Problem hatte ich damit nie. Allerdings hatte ich schon immer eine Angewohnheit, Wut und Trauer an mir selbst auszulassen. Vor allem Wut. Ich habe nie vor Trauer geweint, nie, aber um ein konkretes Beispiel zu nennen: Ich habe damals einen dieser alten Gameboys bekommen, das graue Urmodell, das damals neu auf den Markt kam und passend dazu ein "König der Löwen"- Spiel. und immer wenn ich verloren habe, dann biss ich in den Gameboy oder schlug mit Tränen in den Augen gegen den Boden. Damals war ich etwa 6 oder 7 Jahre alt.
 
Noch ein Unterschied kristallisierte sich zu dieser Zeit ganz klar heraus, meine Schwester, damals mit knapp 14/15 Jahren gerade in der Pubertät, konnte immer sagen, was sie dachte, konnte ihre Gefühle äußern und auch mal alles aus sich herausschreien, wenn ihr danach war. Ich war schon als Kind nicht fähig dazu, Schmerz fraß ich in mich hinein, und wenn ich Angst hatte, weinte ich. Und ich hatte ständig Angst, ich hatte Angst die Straße langzugehen, ich hatte Angst vor vorbeifahrenden Autos, vor Wind, vor Dunkelheit, vor dem Tag. Ja, es gab sogar eine kurze Zeit, wo ich Brot mit der Gabel aß, weil ich mich fürchtete, es könnten Bakterien daran sein, die mich vergiften. Nach 4 Jahren Grundschule änderte sich kaum etwas. Um mal meine sozialen Beziehungen zu erläutern: Ich hatte nicht unbedingt das, was man als Freunde bezeichnete, es gab zwar immer mal wieder jemanden mit dem ich etwas unternahm, aber vertrauen konnte ich keinem. Und das änderte sich nicht als ich in die 5. Klasse kam. Es wurde sogar noch schlimmer, ich knüpfte keinen Kontakt zu anderen Menschen, war Außenseiter, einsam und es gab keinen der das sah, außer meine Schwester, die inzwischen 19 Jahre alt war. Ich glaube es war das erste mal in meinem Leben, wo ich wirklich weinte und meine Gefühle zeigte. Durch meine Einsamkeit vergrub ich mich, begann Gedichte zu schreiben und es ging mir eigentlich gut. Ich zeigte natürlich nie meine Schwäche auch wenn ich immer allein auf dem Schulhof stand, und mich nachmittags mit Schule beschäftigte anstatt etwas zu unternehmen. Gedanken an SVV hatte ich keine, selbst wenn ich wütend war, weinte ich einfach nur, und machte nichts kaputt oder tat mir in irgendeiner weise weh...
 
In der 7. Klasse änderte sich dann plötzlich alles, ich kam in eine neue Klasse und war plötzlich im Mittelpunkt, jeder wollte etwas mit mir unternehmen, jeder fand mich nett. Ich stand vor einer Situation, mit der ich noch nie konfrontiert wurde, und ich war einigermaßen glücklich. Mein schreiberisches Talent kam auch in meinen Schulfächern zum Vorschein. Und das alles brachte nicht gerade einen Vorteil mit sich, ich stand unter Leistungsdruck, ich war zu jedem nett und innerlich doch irgendwie angeknackst, ich versuchte Vertrauen zu Menschen aufzubauen, fürchtete mich aber vor Enttäuschung.
 
Letztes Jahr, es war an meinem Geburtstag, im April, traf ich mich mit einem langjährigen Chatfreund.. Es war schon irgendwie das, was man als Liebe auf den ersten Blick bezeichnet. Diese Geschichte möchte ich aber jetzt nicht ausweiten, es war nur so, dass er eine Woche nach dem Kennenlernen plötzlich und aus heiterem Himmel eine Freundin hatte. Für mich unerwartet. Es war das was man als pubertäre Liebe bezeichnet, aber es war doch irgendwie der Anfang meiner SVV. Ich wollte ständig alleine sein, ich hasste alle Menschen und am meisten hasste ich mich, weil ich nicht gehandelt hatte, ich sollte vielleicht noch erwähnen, dass ich die Jahre zuvor eine große und breite Mauer um mich gebaut hatte, eine Mauer die vor allem gegen meine Eltern stand. Denn die waren nie für mich da, sie fragten in ungefähr 9 Jahren nicht einmal, wie es mir geht. Und das ist nicht nur irgendsoein Spruch, es war wirklich so. Meine schwester war inzwischen ja erwachsen, und hatte ihre eigenen Beschäftigungen, ich war also vollkommen auf mich allein gestellt.
 
Irgendwann, saß ich dann einsam und allein, in meinem Zimmer, wie so oft, hörte Musik.. und plötzlich kam die Verzweiflung und die Einsamkeit in mir auf, alles, was in meiner Kindheit geschehen war, meine Angst, meine Zimmer erdrückte mich, die Nacht machte mir Angst, ich begann Dinge zu hören, die nicht da waren, kontrollierte vor dem Schlafen gehen meinen Schrank, sah hinter mein Bett und tat ähnliche Sachen. Ich saß also nachts auf meinem Bett, weinte, mal wieder, weil ich begann mein Verhalten zu hassen, meinen Perfektionismus, ich hasste alles an mir, jedes Körperteil, zumal ich ja nicht die schlankste war, und dann kratze ich an meinem Unterarm und Handgelenk, vorsichtig, es könnte ja irgendwas passieren. Das war der Beginn von allem...
 
Natürlich blieb es nicht beim Kratzen, ich verwendete Nagelpfeile oder andere Gegenstände, die man zur Maniküre verwendete, man konnte sie nämlich überall hin mitnehmen und keiner würde seltsam schauen, wenn man eine nagelpfeile be sich trug. Zu einem Messer oder zu Rasierklingen griff ich nie und das rettete mich wahrscheinlich auch vor schlimmeren Verletzungen. Seitdem ritzte ich mich bei jeder kleinsten Kleinigkeit, wenn es am Wochenende nicht das zu essen gab, was ich wollte und ähnliches. All das regte mich zu SVV an, obwohl es sehr lächerliche Gründe waren.
 
Eines Tages waren dann meine Eltern nicht zu Hause und meine schwester kommandierte mich ins Wohnzimmer, sie sagte, dass zwei Freundinnen sie angerufen hätten und sie regelmäßig seit einem halben Jahr informierten, was ich tue. Sie versuchte mit mir zu reden, doch ich konnte nur weinen, ich konnte gar nichts anderes, ich war enttäuscht von diesen Freundinnen, denen ich tausend mal gesagt hatte, ich bräuchte keine Hilfe, und ich hatte Angst vor meiner Schwester, sie konnte es immerhin meinen Eltern sagen. Sie wollte, dass ich aufhöre und ich sagte, ich versuche es so sehr wie möglich einzuschränken. Das war ungefähr vor drei Monaten, ich habe nicht aufgehört, aber ich tue es seltener. das liegt womöglich auch an jemandem, den ich als Liebe meines Lebens bezeichne. Und auch das ist nicht einfach: Er weiß nichts von meinem "kleinen Problem", wie ich es oft bezeichne, ich trage lange pullis oder Oberteile, wenn ich ihn sehe, oder ich drehe meinen Arm so, dass er es gar nicht sehen kann. Außerdem hänge ich wohl viel zu sehr an ihm, ich befürchte er könnte sich bedrängt fühlen, also verhalte ich mich oft abweisend und kalt, obwohl ich ihn wahrscheinlich mehr liebe als alles anderes.
 
Ein weiterer Teil meiner sozialen Umwelt, der nichts von meinen Problemen weiß, sind meine Eltern, die sollen es aber auch nie erfahren, weil sie für mich keine Eltern sondern einfach nur meine Erzeuger sind. In all den Jahren habe ich von ihnen nicht ein Stück Liebe bekommen. Weder meinem Partner noch meinen Eltern möchte ich etwas von meinem kleinen Problem erzählen, denn sie würden es nicht verstehen, sie würden nicht verstehen, was ich meine, wenn ich sage: Heute ist wieder so ein Tag, an dem ich mich hassen will..
 
16.06.2004
 
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