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Geschichte

Super Girl

Alles fing vor vielen Jahren an. Meine Eltern wünschten sich ein Kind, doch "es klappte nicht". Ich weiss nicht genau was damals los war, jedenfalls war es eine lange Geschichte, bis meine Mutter schwanger wurde. Und sie erwartete Zwillinge! Doch dann starb mein Geschwister vor der Geburt und ich kam alleine zur Welt. Ich habe nie richtig mit meinen Eltern darüber geredet, was damals passiert war. Jedenfalls war ich von dort an das Heiligtum der Familie.
 
Ich wuchs gut erzogen auf und kam in die Schule. Dort wurde ich oft wegen meinem Sprachfehle gehänselt und ich hörte Bemerkungen wie: "Die hat ihrem eigenen Bruder die Nahrung weggegessen!" Solche Sprüche musste ich mir anhören, wie jedes andere Kind auch. Damals war ich ganz normal und mir ging es nicht schlechter als anderen. Solche Erinnerungen plagten mich damals auch nicht sehr, doch heute kommen alle wieder hoch.
 
Nach der 5.Klasse kam ich dann nach Baden in die Bezirksschule. Dort lernte ich neue Menschen kennen und schloss mit einer Klassenkameradin Freundschaft. Sie war beliebt, alle kannten sie und alle Knaben fragten mich über sie aus. Ich sehne mich nicht gerade danach, im Mittelpunkt zu stehen, doch neben ihr war ich nichts.
 
Nach etwa 3 jahren lernte ich meinen Freund kennen. Er war damals 19 Jahre alt und wurde zu meinem besten Kollegen. Ich konnte mit ihm über alles reden und er verstand mich, wie noch keine andere Person in meinem Leben. Es kam der Zeitpunkt, als wir uns heimlich trafen und uns liebten. Dieses ganze Theater dauerte 3 Monate, dann beschlossen wir, uns nicht weiter vor der Gesellschaft zu verstecken. Ich hatte viel zu kämpfen bei den Eltern, den Kollegen und in der Schule. Schliesslich wurde er 20 und ich war 15!
 
Nebenbei entwickelte sich eine einseitige Freundschaft zwischen mir und meiner Schulkameradin. Ich bekam das Gefühl, sie verstehe mich gar nicht und es interessiert sie überhaupt nicht, was ich tue und denke. Jeden Tag musste ich mir anhören, was sie getan hat und welcher Junge hinter ihr her ist, doch wie ich mich fühlte, weiss sie bis heute nicht. Ich redete nur mit meinem Freund über meine meine Gedanken und Probleme. In der Schule wurde ich nicht akzeptiert, weil ich einen 5 Jahre älteren Freund hatte, ich Techno und keinen Hip-Hop hörte und nicht mit den anderen am Abend weg ging um zu kiffen und trinken. Es kam dann die Zeit, als sich meine Brust entzündete und ich zum Arzt musste. Ich machte dadurch ein grosses Theater mit, Arzt, Spital, Ultraschall, Punktur und dies immer wieder.
 
Nebenbei war es an der Zeit, dass ich mir eine Lehrstelle suchen musste. Meine Eltern empfohlen mir das KV, jedoch solle ich selber entscheiden. Ob ich selber entschieden habe, was ich möchte, weiss ich nicht genau. Jedenfalls schrieb ich Bewerbungen für eine Lehre als Kauffrau und hatte einige Vorstellungsgespräche. Meine Eltern regelten alles, sie sagten mir, was ich wann zu tun hatte und liessen ihre "Beziehungen" spielen. In dieser Zeit fing ich an, mich das erste mal zu schneiden.
 
Ich sass daheim herum und sah euf einmal dieses Messer da liegen. Es war so ein "Cutter", mit welchem man Papier schneidet. Plötzlich hatte ich den Drang, mir selber weh zu tun. Ich dachte mir nichts dabei und schnitt mich 2, 3 mal leicht in den Arm. Ich erzählte es dann meinem Freund und er erklärte mir, was ich getan habe und wieso und dass ich das nicht mehr machen soll, da es immer schlimmer werden kann. Ich hörte dann auch auf ihn und liess die Finger von scharfen Gegenständen, bis es wieder soweit war. Mir ging es nicht besonders gut und ich schnitt mir wieder leicht in die Haut. So ging es weiter, ich ritzte leicht, wenn es mir nicht gut ging, doch es hielt sich in Grenzen.
 
Bis eines Tages mein Freund schluss machte. Eien Welt brach für mich zusammen. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, wer ich war, ich redete mit niemandem, heulte am Tag und in der Nacht, ich hatte Mühe in der Schule und schottete mich ab. Und ich ritzte. Ich ritzte so oft wie noch nie. Ich ritzte in der Schule hinter einem Baum oder im WC, wann ich gerade wollte. Ich fälschte die Unterschrift meiner Mutter, um nicht ins Schwimmen zu gehen. Panikattacken kamen dazu. Ich hatte das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen und zitterte am ganzen Körper. Niemand verstand mich. Das war die schlimmste Zeit meines Lebens.
 
Doch nach etwa 1 1/2 Monaten kam mein Freund wieder zu mir zurück, mit der Begründung, er liebe mich, die Gesellschaft habe ihn dazu gebracht, seine Gefühle zu unterdrücken, doch er liebe mich und es tue ihm Leid, was er getan habe. Langsam renkte sich mein Leben wieder ein. Ich lernte auch die beste Kollegin meines Freundes wie E-Mail kennen, welche früher auch geritzt hat. So konnte ich mal mit jemandem darüber schreiben, welcher ähnliches erlebt hatte.
 
Ich erstellte eine Homepage (ähnlich wie diese hier), auf der ich Gedanken und Gedichte zum Thema SVV veröffentlichte. Bis eines Tages meine Eltern die Homepage entdeckten und alles lasen. Meine Mutter sprach mich beim Mittagessen darauf an und ich dachte: Das kann nicht wahr sein! Es ist das passiert, was ich auf alle Fälle vermeiden wollte. Ich ging verzweifelt in die Schule und machte mir den ganzen Nachmittag Gedanken darüber, ob ich abhauen soll von daheim. Ich hatte solche Angst, weider nach Hause zu gehen, und am Abend meinen Vater zu sehen! Ich rief meinen Freund an und er kam mit mir nach Hause und redete den ganzen Abend mit meinen Eltern. Dafür bin ich ihm heute noch dankbar!
 
Ich war 2 mal bei Psychologen, doch ich brach beide Male ab, da ich Mühe habe, mit Fremden Personen zu reden. Jetzt habe ich meine Abschlussprüfungen und gehe bald für einen Monat nach Süd-Frankreich, was mir noch ein bisschen Angst macht. Inzwischen bin ich so weit, dass ich zwar ritze, aber ich habe es einigermassen im Griff.
 
03.06.2004
 
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