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ein leben mit schreiender seele

Dreamie, 23 jahre

hi zusammen, ich bin 23, weiblich und trage die diagnose borderlien persoenlichkeitsstoerung mit mir.
 
aber ich fang lieber am anfang an.
 
ich hab recht frueh im leben schon 3 kleinere geschwister gehabt, als ich zwoelf war wurde mein derzeit juengster bruder geboren. ich bin in einem angeblich behueteten elternhaus aufgewachsen. beide eltern sind paedagogen, die ehe ist in takt und meine geschwister und ich alle anscheindend ok.
 
ich hatte nie viele freunde. schon im kindergarten gab es gruppen und ich passte in keine hinein. vielleicht weil ich damals schon spaltete... ich weiss es nicht. auf jeden fall verstand ich nicht warum man in konkurrenz zwischen gruppen treten muss wenn man sich doch eigendlich gut verstehen koennte wenn man nur wollte.
 
dann kam ich in die schule. ich war aufgeweckt und kam mit allen lehrern gut klar und mit den meisten meiner mitschuelern auch. das war in der grundschule. ich weiss nicht genau wie und warum aber ich wurde zum aussenseiter. wurde dann systematisch ab der 3. klasse gemobbt und mir wurde das leben zur hoelle gemacht.
 
meine eltern erzogen und sehr autoritaer und ich hatte gelernt zu gehorchen und zu befolgen was von mir gefragt wurde (es war eine schwere schule zu hause... denn mein vater schlug mich und an als bestrafung - wenn auch nicht unkontrolliert und ungerecht). ich lernte dass ' ein indianer keinen schmerz kennt' und ich lernte stark zu sein.
 
in der mittelstufe bekam ich eine freundin. wir waren immer zusammen und kamen klasse miteinander klar. in meinen ferien nahm ich mit 14 meinen ersten job an...... mit 15 war ich als gastschuelerin in muenchen bei verwandten. dort lernte ich meinen ersten freund kennen. er hat mich in das erste mal sex gedraengelt aber versucht trotzdem dann ruecksicht auf mich zu nehmen.
 
eigendlich war ich ein ganz normales maedchen.
 
dann zog meine freundin weg und der innere schmerz war fuer mich unertraeglich. eine woche vor ihrer abreise schlug ich aus verzweiflung ein paar mal voller wucht mit der faut gegen die wand.
 
allen anderen erzaehlte ich es sei ein unfall gewesen. meine eltern wussten die wahrheit und mussten ueber meine naivitaet grinsen. aber sie deckten mich in dieser hinsicht und erzaehlten keinem was wirklich geschehen war.
 
dann nahm ich einen job auf einer lodge an. dort habe ich gekellnert (damals war ich 15/16) und habe natuerlich einige reiseleiter kennen gelernt. einer von denen missbrauchte mich sex. einige zeit spaeter.... andere belaestigten mich. ich habe es nie jemanden gesagt. ich habe das jahrelang von mir geschoben und mir selber vorgemacht das ich damit klar kaeme.
 
das mobbing war mitlerweile fast unerstraeglich fuer mich. ich spielte mit dem gedanken mir das leben zu nehmen und ging auf anraten des hiesigen pastors zum schulpsychologen..... mit dem hab ich einige zeit geredet und hab es dann sein lassen. ich hatte eine abhaengigkeit entwickelt zu ihm und das habe ich dann bewusst beendet. meine eltern wussten nichts davon dass ich da hingegangen war.
 
alles schien ok. meine schulischen leistungen waren gut und ich war fidel, wie meine omi das so ausdrueckte.
 
ich hab mich nicht selbst verletzt, nicht geraucht, keine dorgen und kaum alkohol.
 
nach meinem abi bin ich erst in ein FSJ im altenpflegeheim...... nach ein paar monaten ist was passiert in der familie das mich schwer schockte und ich hatte einen nervenzusammenbruch. damals war ich 20. ich wurde nach zwei weiteren zusammenbruechen von meinem damaligen freund zum hausarzt geschleppt. der schickte mich zur neurologin die schreib mich erst einmal krank. nach einer weiteren woche wurde ich in eine tagesklinik geschickt. wegen akuter ueberbelastung und erschoepfung. ich hatte mich zu sehr psychisch gefordert und physisch belastet.
 
dort fing ich an mit svv. ich schlug gegen die wand mit der faust, wie ich es von damals kannte. es war effektiv und ich bekam es nicht immer in den griff.
 
nach einem monat da stellten sie die diagnose BPS.
 
ich wusste erst nichts darueber lernte aber mit der zeit mehr und mehr.

mehrfach lies ich mich entlassen. einmal gegen dringenden rat des arztes.... aber immer wieder kehrte ich dahin zurueck.
 
ich fing ein studium an und musste es wegen arbeitsunfaehigkeit wieder aufgeben.
 
dann tauchten die erinnerungen des missbrauchs wieder auf. verzweiflung die all die jahre in der schule keinen platz gefunden hatten und immer mehr seelischer schmerz.
 
im januar 2002 bin ich erstmalig dann in eine vollst. klinik gegangen. ich war auf einer borderline station. dort war ich drei monate. ich habe viel svv gemacht, immer prellungen unterschiedlichster art, an armen und haenden und oberkoerper. schliesslich auch verbrennungen 2. grades mit kochendem wasser. ich war oft suicidal und wurde aufgrund von riskanten handlungen und der zunahme der symptome erst mal in therapiepause geschickt.
 
nach 3 monaten therapiepause in denen ich einige zeit in der tagesklinik war und es mir wieder ein wenig besser ging wurde ich wieder aufgenommen.
 
wieder auf der gleichen station. diesmal ging es etwas besser vorran mit der therapie und trotzdem war ich aeusserst labil. ich verletzte mich oft und versuchte mich einmal mit tabletten umzubringen.
 
geschnitten habe ich mich nie.
 
nach 6 monaten wurde ich dann wieder entlassen. ich fing ein praktikum im zoo an...... danach beschloss ich nach hause zu kehren um einiges fuer mich selbst zu sortieren und zu klaeren. also flog ich zurueck zu meinen eltern. das war im juni 2003. ich hatte derzeit das angebot traumatherapie in "meiner" klinik zu machen und schlug es aus, mit dem grunde erst andere dinge abschliessen zu wollen.
 
hier bin ich immer noch. bei meinen eltern und inzwischen 4 geschwistern zu hause. ich arbeite 40 stunden die woche.... das svv hab ich inzwischen ganz ok im griff. ich mache neben meinem job noch eine ausbildung damit ich nach der zeit hier wenigstens eine abgeschlossene ausbildung in der hand habe.
 
ich kaempfe auch heute noch taeglich mit mir und meinem leben. es braucht mich taeglich wahnsinnige mengen an energie um halbwegs positiv in den tag zu gehen. um nicht aufzugeben oder dem selbstverletzungsdruck nachgeben zu muessen. zeitweilig bin ich wieder extrem depressiv, aber ich nehme keine medikamente mehr. ich kaempfe mich durch.
 
da wo ich jetzt bin kann ich keine psychische hilfe bekommen ich muss alleine zurecht kommen. das ist schwer aber es staerkt mich ein wenig jeden tag.
 
ich bin hier dem kontakt mit den typen von damals ausgesetzt. anfangs habe ich deswegen furchtbare angstzustaende gehabt inzwischen bin ich etwas de-sensibilisiert und komme einigermassen klar.
 
manchmal arbeite ich moeglichst ununterbrochen um nur nichts fuehlen zu muessen. ich weiss das ich mich damit kaputt mache aber ich schaffe es anders gar nicht.
 
manchmal bin ich wochenlang so suicidal das ich jeden tag zum ziel habe ihn ueberleben zu muessen! meine neujahrs-resulution dieses jahr bestand darin dieses jahr zu ueberleben.
 
meistens merkt auch heute keiner dass ich anders bin. aber ich bin borderline patientin. ich kaempfe damit mein leben halbwegs in normalen bahnen laufen zu lassen.
 
ich bin allmaehlich dabei zu akzeptieren dass meine eltren mir NIE glauben werden dass ich wirklich krank bin.
 
es ist ein taeglicher kampf und manchmal sehne ich mich nur nach ruhe. aber ich kaempfe weiter, gegen die erkrankung, gegen mich selbst und gegen die vorurteile und den druck.
 
ich weiss das ich eines tagen nochmal therapie machen muss. ich will sie annehmen und weiter daraus lernen.
 
ich komme inzwischen soweit mit mir klar da ich gelernt habe zu ueberpruefen was meine und was fremdwahrnehmung ist bei worten, gefuehlen und reaktionen.
 
das ist anstrengend aber es ist der einzige weg fuer mich.
 
ich bin meistens sehr einsam. ich ziehe mich zurueck obwohl ich eigendlich eine eher extrovertierte person bin. ich weiss inzwischen auch das ich hochbegabt bin aber auch das hilft mir nicht weiter.
 
ich habe gelernt zu schauspielern und die zu sein die alle sehen wollen und doch bemuehe ich, mich nicht gaenzlichst zu uebergehen.
 
heute fuehle ich mich depressiv, aber ich weiss dass es immer ein hoch geben wird. die frage ist, ob ich lang genug darauf warten kann.
 
ich habe heute druck, und weiss das ich vermutlich es doch ohne svv schaffen werde. mein wille zu ueberleben ist groesser als die sehnsucht nach dem tode.
 
aber all diese dinge sind meist nicht von langer dauer.
 
manche tage meine ich gaenzlichst gesund zu sein weil es mir so gut geht! andere tage wuensche ich mich in die iso-zelle zurueck damit ich nicht eigenverantwortlich ueber mein leben handeln muss.
 
es ist ein staendiges auf und ab! aber ich kaempfe von einem augenblick in den naechsten.... lebe von jetzt auf gleich ...... und daraus wird schliesslich ein leben. es ist ein leben mit schreiender seele.
 
eine bekannte hat mir mal gesagt "the trick is, to keep breathing".....
 
22.01.04
 

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