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Ich wollte merken, dass ich lebe

Mira, 17 Jahre

Ich fang mal etwas weiter vorne an, von meinem Leben zu berichten.
Die Grundschulzeit war wohl mit eine der besten Zeiten in meinem Leben, ich hatte Freunde und keine Probleme, eine Familie die für mich da war und eine Schwester mit der ich mich sehr gut verstand.
Der Wechsel auf die weiterführende Schule, brachte meine Probleme herbei, ich wurde ab der fünften Klasse gemobbt, anfangs machte es mir nicht viel aus, doch als es so schlimm wurde, dass alles den Bach hinunter ging und ich selbst so fertig war, dass die Schule für mich die Hölle wurde, jeden Tag mit Bauchschmerzen in die Schule zu gehen, beschlossen meine Eltern mich von der Schule zu nehmen und weiter weg auf eine Schule zu schicken wo ich den Kontakt mit diesen Leuten nicht mehr hatte, alles wurde besser, die schulischen Leistungen und ich baute mir von Jahr zu Jahr wieder Freundschaften auf.
Ich hatte eine richtig schöne Zeit, bis der Ärger zu Hause anfing, meine Schwester machte irgendeinen Scheiß und ich wurde dafür bestraft, obwohl meine Eltern wussten, dass ich nichts damit zu hatte, ließen sie es nicht an ihrer "großen" Tochter aus, auf die sie so stolz waren, sondern an mir.
 
Ich fing an die Welt nicht mehr zu verstehen, es kam mir alles einfach so vor, als würde jeder gegen mich sein.
Ich verschloss mich anderen gegenüber und wollte auch niemandem an mich ran lassen, zu oft wurde ich bisher in meinen jungen Jahren schon verletzt. Mein eigener Schutz diese Mauer um mich herum aufzubauen, ging nicht gerade gut, ich fing an, alles in mich hineinzufressen, die Tage verbrachte ich non stop vor dem Fernseher, und ich war auch sonst alleine, meine Eltern waren beide voll berufstätig, meine Mutter arbeitete in drei Schichten, es war nie wirklich jemand da, wenn ich einfach mal mit wem reden wollte. Ich war alleine, und auch die Freunde, wie ich dachte, die ich hätte, hatten nur Zeit, wenn ich zu ihnen kam, doch hatte ich auch keine Lust jeden Tag 1 1/2 Stunden im Bus zu verbringen um bis zu ihnen zu fahren.
Ich verkroch mich zu Hause, irgendwann baute sich ein Druck in mir auf, der unaushaltbar wurde, dem ich nicht mehr standhalten konnte.
 
Als ich im Badezimmer stand und mein Blick auf die Rasierklingen meines Vaters wanderte, ging in mir drinnen etwas vor, was ich nicht gedacht hätte, ein Gefühl, was ich nicht beschreiben konnte.
Ich nahm mir eine neue Rasierklinge aus der Schachtel packte sie aus und guckte sie an, wie schön sie in der Sonne blitze und wie scharf sie war. Ich hielt sie eine ganze Zeit einfach nur in der Hand und schaute sie mir an. Sie faszinierte mich!!!!
Ich packte sie wieder ein und versteckte sie in meinem Zimmer.
Tage vergingen und mir ging es nicht gut, ich fühlte mich schlecht wusste nicht warum, es lag wohl wieder an dem ganzen Ärger, der aber nicht nur von zu hause aus ging.
Ich war mal wieder alleine zu Hause und saß vor dem Fernseher, ich guckte zwar auf den Bildschirm doch mit den Gedanken war ich ganz wo anders, ich dachte an die Rasierklinge, ich merkte wie in mir drin, sich etwas aufbaute, ich holte die Klinge und ging ins Bad, setzte mich auf den Badewannenrand und hielt sie wieder einfach nur in der Hand.
Ich krempelte meinen Pullover hoch und setzte an, nach dem ersten Schnitt, merkte ich das ich keinerlei Schmerzen fühlte, eher im Gegenteil, ich fühlte mich besser, ich fühlte mich gut!
Ich setze wieder an und wieder, ich ritze mich im Arm. Ich holte Pflaster um meine Kleidung nicht mit Blut zu verschmieren.
Ich versteckte die Klinge wieder und setzte mich in mein Zimmer, ich fühlte mich gut, ich war erleichtert.
Ich beobachtete genau den Verlauf der Heilung der Wunden.
Zu der Zeit war ich 13 Jahre alt.
 
Es verging eine ganze Zeit, bis mich dieses Gefühl überkam, die Klinge zu holen und mich zu schneiden.
Jedes Mal danach ging es mir so gut, ich merkte, dass ich noch lebe, auch wenn ich von außen diese Mauer um mich hatte und keinen Spaß mehr am Leben hatte.
Ich schnitt immer öfter und öfter.
Als meine Schwester auszog, ging es mir nicht sehr gut, sie hatte plötzlich keine Zeit mehr für mich, wir sahen uns nur noch ganz selten, was ich alles nicht verstand, ich war doch ihre Schwester, sehnte sie sich nicht so sehr nach mir wie ich mich nach ihr?
Wenn ich schnitt, hatte ich dieses Gefühl in mir drinnen nicht, dieses erdrückende etwas, was mich so fertig machte!
Die Zeit verging und ich griff regelmäßig zur Klinge!
Ich wurde mit Dingen konfrontiert, mit denen ich nicht zurecht kam und immer dann, kam dieser Druck in mir auf, wo ich anschließend zur Klinge griff!
Nie habe ich es bereut meinen Körper selbst zu verletzten eher im Gegenteil, ich war der Meinung,  dass er es verdient hatte!
Dann kam ich lange Zeit ohne zu schneiden aus, in der Zeit hatte ich meinen Freund kennen gelernt, ich zog dann bei ihm ein, weil ich mit meiner Mutter nicht mehr klar kam. Sie hatte selbst über sich keinerlei Kontrolle mehr, schlug auf mich ein und sagte mir Tage später, dass ich es verdient habe Ich hielt es mit dieser Frau in einem Raum nicht mehr aus, und verbrachte die Zeit in meinem Zimmer. Als ich bei meinem Freund wohnte, dachte ich, alles würde gut werden, mein Leben würde sich verbessern, 8 Monate ging alles gut, solang ich meinem Mund hielt und für seine Familie putze und bügelte die Wäsche machte. Die Eltern meines (damaligen) Freundes waren von Geld besessen, wollten alles haben, so kam es zu Streitereien unter sich.
Um die nicht an sich auszulassen, schrieen sie mich an, sie machten mich fertig!
Ich haute ab, ging wieder nach Hause, wo ich dies nicht mehr über mich ergehen lassen musste. Dann verbaten sie uns den Kontakt, ich schnitt nach langer Zeit wieder und wieder.
Die Beziehung ging kaputt und ich war am Ende!
Brauchte lange um mit all dem klar zu kommen, ließ alles an meinem Körper aus.
Heute geht es mir  einigermaßen wieder gut und ich habe auch lange nicht geschnitten.
Ich versuche es hinauszuzögern!
 
Jedoch vermisse ich dieses erleichternde Gefühl!!!!
 
Ich stehe alleine im Leben und habe keine Freunde, verbringe meine Zeit damit, auf die Arbeit zu gehen und mir Gedanken über meine Zukunft zu machen, sehne mich nach etwas Geborgenheit und Liebe.
 
12.07.2003
 

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