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Warum?

Niba, 16 Jahre

Ich bin 16 Jahre alt, vor einer Woche habe ich Geburtstag gefeiert, und dann bin ich auf einmal auf diese Seite gestoßen, und ich wusste, dass ich unbedingt zu meinem Leben schreiben musste. Ich habe jetzt seit 2 oder 3 Jahren SVV. Und mein Problem ist, dass der Auslöser so tief sitzt, dass ich ihn nicht wegbekomme, weil ich ohne diese Person nicht über die Runden komm und sie immer in meinem Leben sein wird.
 
Begonnen hat eigentlich alles damals, als meine Mutter immer bessere schulische Leistungen von mir forderte, die ich nicht erfüllen konnte. Ich war gerade mal 13, als ich stolz (ich weiß es noch gut) mit einem Gut auf eine Englisch Schularbeit nach Hause gekommen bin und meiner Mutter davon erzählte. Ich erwartete Lob, und ich dachte, dass ich es verdient hätte. Heute weiß ich, dass ich es verdient habe. Jedenfalls reagierte sie so, dass sie mich fürchterlich angeschrien hat, dass ich mich konzentrieren sollte und nicht immer sagen sollte, dass die Schularbeit gut gegangen wäre, wenn es dann nicht der Bestleistung entspräche. Ich verstand nicht, was sie meinte und begann zu weinen. Und den Fehler auf mich zu schieben, weil ich damals der Meinung war, dass meine Mutter immer Recht hätte.
Es ging dann so weiter, dass ich vor jeder Arbeit panische Angst bekam und wenn sie nicht gut ausfiel (was sie immer tat) Ausreden suchte und ihr sagte, sie solle nicht schimpfen. Das war ihr aber auch nicht recht, weil sie dann gemeint hat, dass ich mich nicht andauernd rechtfertigen sollte. Das tut sie übrigens heute noch. Ich machte jedenfalls die vierte Klasse und ging dann auf die HTL. Hoffte, dass alles besser werden würde. Ich habe viele Freunde gefunden, mit denen ich über alles reden kann, aber dass ich SVV habe, das wissen sie immer noch nicht. Jedenfalls ist die HTL schwer, und ich schaffte es in manchen Gegenständen nicht, "mittelgut" zu sein. Ich suchte weiter Ausreden, hätte zu wenig Zeit gehabt und die Fragen wären schwer gewesen. Ich habe immer noch Angst, wenn ich ein Nicht genügend bekomme, es meinen Eltern zu sagen. Eltern ist gut, mein Vater ist nie zu Hause, er arbeitet zu lange und ist der Meinung, dass mein Bruder siebzehn ist, obwohl er erst 16 ist. (nur so nebenbei). Die Angst vor meiner Mutter steigerte sich so sehr, dass ich bald Unterschriften gefälscht habe, um keine Fünf herzeigen zu müssen (ein fünfer entspricht der deutschen sechs). Und so schlag ich mich eben durch..
 
Ich glaube, das erste Mal habe ich zur Klinge gegriffen, als ich vierzehn war. Dass das SVV ist, war mir damals nicht klar! Mit der Zeit hab ich mich dann mit Scherben geschnitten, aber immer nur an Stellen, die niemand gesehen hat. Weder meine Familie noch meine Freunde bemerkten es. Schließlich griff ich zum Stanley-Messer und zu Stecknadeln.
 
Der Auslöser ist vielleicht der Druck, der auf mir lastet ("wenn ich keine drei schreibe, dann darf ich nicht mit auf Schiurlaub") und so weiter. Es ist schrecklich, wenn eine Mutter dauernd etwas an einem auszusetzen hat. Das sind nur Banalitäten, aber mit der Zeit machen sie dich wahnsinnig, wenn du an jedem Tag irgendwie angestänkert wirst. Meine Mutter hat mich immer noch unter Kontrolle, weiß, wann welcher Test ist, schreibt sich auf wann ich lernen muss und so. Für mich ist das schrecklich, aber ich kann mit ihr nicht drüber reden, weil es dann nur schlimmer wird. Sie ist nicht der Typ Mensch mit dem man diskutieren kann..

Das schlimmste, was ich mir vorstellen könnte, wäre, dass sie mich zusammenschreit, wenn sie es wüsste. Wahrscheinlich, weil sie keine Ahnung hat, was dahinter steht. Ich wüsste nicht, was ich dann allein in meinem Zimmer tun würde, ich würde vielleicht heulen. Aber mittlerweile kann ich nicht mehr heulen, das hilft mir auch nicht.

Irgendwie hab ich wohl das Gefühl, älter zu sein als die in meinem Alter und auch reifer, weil ich "mehr durchmache" oder so was. Jedenfalls macht es mich grantig, wenn sich irgendwer über seine schlechte Noten aufregt, weil er zu faul ist und das als sein großes Problem sieht. So ist es eben. Ich hab nie das Gefühl gehabt jemals Schuld gewesen zu sein. Meine Mutter meint zwar immer, ich kann mir meine Fehler nicht eingestehen, aber ich bin immer noch der Meinung, nicht schuld zu sein. Woran? An allem, an so vielen Dingen. Zum Beispiel damals in der Volksschule, kurz vor der Fahrradprüfung wollte ich nicht mit dem Rad heimfahren. Ich habs mich nicht getraut und hatte ja noch nicht einmal den Ausweis oder die Prüfung bestanden. Also hab ich das Rad genommen und es in die Schule geschoben. Sie hat mich dabei gesehen. Ich mein, sie hat mich nie geschlagen aber psychisch sehr wohl! Ich war zehn, ich konnte nicht verstehen, was sie von mir wollte. Als sie an dem Tag zu schreien begonnen hat, hab ich am Abend locker zwei Stunden geheult. Aber das wusste sie nicht, ich hab ihr das nie gezeigt. Sie sollte nicht sehen, dass ich weinte und schon gar nicht warum.
Geändert hat sich das in den sechs Jahren nicht. Ich weiß ganz genau, dass ich sie irgendwann zusammenschreien werde und dann abhau und auszieh und nie wieder zurückkomme. Und dann kann sie schauen, was sie von ihrer Tochter noch hat.
 
19.02.2003
 

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