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Meine "roten Schreie"

Anonym, 16 Jahre

Dann fang ich mal an meine Geschichte bis jetzt zu erzählen:
Seit ca. einem Jahr leide ich nun unter SVV, aber nicht permanent.Vor gut einem Jahr, vielleicht auch ein bisschen länger, habe ich wie gesagt begonnen mir selbst Schmerzen zu zufügen. Als kleines Kind wurde ich oft wegen meines Übergewichts in der Grundschule gehänselt. Ich wurde bespuckt, verprügelt, beschimpft, und einmal hat man mir sogar mit Nadeln in den Bauch gestochen. Als 6-Jährige kann man das nicht so einfach runterschlucken, und jeder Morgen war für mich die Hölle, denn ich wusste, was mich erwartete sobald ich das Schulgelände betretete. Sogar die Lehrer waren gegen mich. Zu meinen Eltern sagten sie eines tages, dass es schwer ist für fette ausländische Kinder in die Gesellschaft aufgenommen zu werden. Dabei bin ich Deutsche, nur mein Vater ist Engländer. Ich bekam jeden Morgen Bauch- und Kopfschmerzen. Ich war voll von Trauer. Meine Eltern schickten mich mit 9 zu einem Nervenarzt, der mich gründlich untersuchte.Er war sich sicher, dass diese Beschwerden von dem Mobbing in der Schule kamen.
 
Ich war heilfroh, als ich dann nach der vierten auf eine Gesamtschule kam. Ich hatte mir erhofft, dass dort alles besser wurde. Aber Pustekuchen. Zwar griffen mir die Lehrer untern Arm und ich fand ein paar Freune, aber die anderen Mitschüler akzeptierten mich auch nicht. Über die Zeit hatte ich mir dann eine große Mauer gebaut, und keiner wusste, was dort hinter war. Irgendwann in der siebten wollte ich was ändern und drehte völlig durch.J edem der mir quer kam, trat ich regelrecht in den A****. Seitdem hatte jeder Respekt vor mir. Ich schloss immer mehr Freundschaften und alle akzeptierten mich. Mit der Zeit wurde ich laut anderer Leute immer hübcher (Ich sehe das aber gar nicht so), und sogar ein paar Jungs wollten "mit mir gehen". Ich hatte in der Zeit ein starkes Selbstbewusstsein aufgebaut und leider ein paar Rivalinnen bekommen. Ich war die Klassenbeste, hatte viele Freundinnen, war in der angesagtesten Clique, angesehen und hatte ein paar Freunde. Jedoch blieb meine Vergangenheit irgendwo in mir hängen.
 
Jetzt hatte ich, wie das halt so ist, sehr viel Stress mit meinen Eltern wegen Kleinigkeiten. Diese banalen Dinge sollten aber nicht banal bleiben, sondern arteten in einen großen Familienkrieg aus. Sie verbaten mir auf einmal sehr viele Dinge, was ich ungerecht fand.
 
Irgendwann schlugen sie mir doch seltsamer Weise vor eine Finnlandfreizeit mit zumachen. Dort wurde ich in eine schwarz magische Gruppe aufgenommen, eher ungewollt.
Ich habe dort Psychoterror erlebt, meine eigenen Grenzen überschritten und Ängste durchlebt, die mich heute noch verfolgen. Ich möchte eigentlich nicht näher darauf eingehen. Jedenfalls kam ich völlig verstört nach Hause. Ich distanzierte mich von meinen Freunden, von meiner Familie, und meine Noten wurden immer schlechter. Ich litt unter Alpträumen, die ich heute auch noch habe. Richtige Angst überkam mich manchmal. Ich fing an mir die Arme mit Rasierklingen zu schneiden und nahm Pillen ein, in der Hoffung besser schlafen zu können. Irgendwann erzählte ich meiner Mutter per Zufall, was ich erlebt habe. Sie begleitete mich zu einer Frau, die sich mit Magie auskennt und die gab mir verschiedene Heilsteine. Damit fühlte ich mich besser und legte meine "Waffen" vorerst beiseite.
 
Mit meinen Noten ging es bergauf, aber Freunde hatte ich kaum noch. Ich fühlte mich sehr einsam und leer, meine Laune wurde wieder schlechter, und der Streit mit meinen Eltern wurde immer größer. Es war kaum noch auszuhalten, und ich wollte weg. Mein einziger Trost war dann wieder die Rasierklinge und schon fügte ich mir neue Narben zu. Das wiederum führte mich immer mehr in Traurigkeit. Ich ging nicht mehr weg und isolierte mich in meinem Zimmer.
Ich nahm das Ritzen gar nicht ernst, und um ehrlich zu sein, war es auch nicht so schlimm wie am Anfang.
 
Irgendwie gelangte ich an die Schulpädagogin, mit der ich über meine Eltern geredet habe. Sie legte mir ans Herz, dass ich doch mit ihnen sprechen sollte....
Eines Abends eskalierte dann ein Streit derartig, dass ich nur noch heulte und wir führten ein intensives Gespräch. Alles hat sich dann gebessert. Ich hatte später den ersten richtigen Freund, der mich aber schnell wieder verlassen hat, weil er sich in das Mädchen mit dem er mich betrogen hat, verliebt hatte.Ich hatte wieder eine neue Art von Schmerz erfahren, ließ die Finger aber von der Klinge.
 
In der Schule klappte wieder alles super. Dann geriet ich aber in die Fittiche falscher Freunde, was mir zu dem Zeitpunkt nicht bewusst war. Ich hatte wahnsinnig viel Spass, und was vorher war, schien vergessen. Irgendwann fand ich aber heraus, dass diese Leute nur schlechtes über mich verbreitet hatten.
Mich nahm das sehr mit, und ich bin sowieso hypersensibel.
 
Eine hetzte die ganze Schule auf mich auf, und die schlechten Erfahrungen holten mich wieder ein. Seitdem bin ich bei einigen sehr unbeliebt, denn ich hab mir auch nichts bieten lassen. Manche stehen aber hinter mir, nur richtige Freunde hab ich kaum noch.
Ich habe Angst in die Schule zu gehen und neue Gerüchte aus der Welt schaffen zu muüssen. Meine Noten sind momentan, auf gut Deutsch gesagt, wieder im ARSCH, und das macht mächtigen Ärger zu Hause. Meine Eltern sind eh schon total gestresst, weil es bei denen auf der Arbeit nicht gut läuft und meine Oma, die ich sehr lieb habe und die mir auch immer beigestand hat, hat uns in einem riessigen Schuldenberg begraben. Soweit, dass unser Haus zwangsversteigert wurde, ohne dass meine Eltern was wussten. Wir besetzen das Haus nun sozusagen, aber damit haben wir auch sehr viel Ärger mit den Behörden und dem ganzen Kram.
 
Das geht seit ca. 4 Monaten nun so, und seit ungefähr 2 Monaten verletze ich mich wieder selbst, weil ich Ängste, Alpträume und Depresionen habe. Ich konnte nie meine Erlebnisse verarbeiten. Ständig werde ich von diesen Erinerungen eingeholt. Was nun der wirklich Grund für mein Schmerz ist, weiss ich nicht. Ich weiss nur, dass ich in dem Moment nicht ich selber bin. Ich spüre nur eine innere Leere in mir und fühle mich sehr sehr einsam. In meinem Umfeld versteht mich niemand, denn keiner kennt das Hoffnung gebende Gefühl, wenn man sich ritzt. Nachdem mir meine Schulpädagogin, an die ich mich wieder gewandt habe, nicht helfen konnte, ging es mir noch viel schlechter.
 
In der letzten Woche habe ich mein Ritzen gesteigert.
Ich tue mir mehrmals täglich weh. Um genau zu sein, greife ich fast alle 2-3 Stunden zur Klinge.Ich hielt den Druck gestern einfach nicht mehr aus. Einerseits hatte ich Todesangst meinen Eltern mein Problem zu beichten, da sie ja sehr streng sind und ich befürchtete sie würden mich raus schmeissen, aber andererseits suchte ich Hoffnung und Hilfe.
Mir ist klar geworden,dass ich dieses mal nicht einfach so wieder aufhören kann. Jetzt brauche ich wirklich profesionelle Hilfe. Lange Rede, kurzer Sinn... Ich beichtete meinen Eltern unter Tränen, was ich mir antue. Sie waren natürlich total geschockt und weinten sehr, aber sie stehen hinter mir und machten mir Mut. Wir wollen eine Therapie beginnen. Und schon am Montag habe ich ein Gespräch mit einem Fachpsychologen. Den schwersten Schritt habe ich hinter mir und möchte anderen Mut machen. Irgendwann wendet sich das Blatt für euch auch. Vertraut euch den Menschen an, die am meisten in eurer eigenen Welt etwas bewegen können. Ich hoffe ich werde das, was auf mich in kleinen Schritten zukommt, überstehen und irgendwann dankbar sein, dass ich lebe.
 
Ich bin zwar erst 16, und ihr denkt euch vielleicht, dass meine Probleme nicht schwerwigend sind, aber ich weiss genau, was ihr fühlt: Angst, Depresionen, Alpträume, Schuldgefühle, Einsamkeit und Leere....
 
Ich schneide mich zwar jetzt noch so häufig, aber ich bin davon überzeugt, dass ich es mit Hilfe verringern kann oder vielleicht clean werde. Es ist eine Sucht, ein Zwang von dem man nicht leicht abkommt.
 
Ich hoffe für euch, dass ihr es auch irgendwann schafft und es würde mich sehr freuen, wenn ihr das hier lest und mich ein wenig verstehen könnt.
 
16.11.2002
 

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