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wie es bei mir anfing
DasEtwas, 18 Jahre
ich bin 18, und schülerin.
an sich ist meine kindheit "normal verlaufen", meine eltern haben
beide gearbeitet, in der schule war ich nicht sehr beliebt. eher im gegenteil.
vielmehr wurde ich aus irgendwelchen gründen immer ausgestoßen. zu geburtstagen
nicht eingeladen, verscheucht wenn ich störte und auch wirklich "bemobbt" so
ging es bis zur zehnten klasse. in der elften klasse, mit schulwechsel,
erfuhr ich das erste mal, das ich wirklich akzeptiert wurde.
gut möglich, dass meine jetzige situation (depressionen, die aber mit
medikamenten gut im griff sind und selbstverletzung, momentan auch ein hang zum
alkoholmissbrauch) unter anderem damit zusammenhängt. aber viel, glaube ich,
besonders im bezug auf die selbstverletzung, kommt aufgrund meiner beziehung
zu meiner schwester.
meine schwester hatte, da sie mich immer "an der backe" gehabt hat, wo sie
nur konnte unterdrückt. sei es durch "ärgerspiele"( ich durfte nicht auf die
linien mit sand zwischen den pflastersteinen treten, sonst wurde ich getreten,
geschlagen oder gekniffen. nicht unbedingt doll, aber es war dennoch eine
qual) oder einfach dadurch, dass sie mir durch ihr verhalten zeigte, dass ich nicht
erwünscht war. das ganze ging bis hin dazu, dass ich (merkwürdigerweise), wenn
wir denselben freundeskreis hatten, immer aus der gruppe ausgestoßen wurde.
hatte ich einen eigenen, geschah das hingegen nicht.
zudem ist es möglich, ich weiß es nicht wirklich, dass sie mich manchesmal
verprügelt hat. eine unterstellung auf die ich aufgrund eines traumes kam.
es gibt zeiten, da denke ich, alles ist normal, alles ist bestens. ja, sogar
mein umfeld könnte im großen und ganzen meinen, alles sei bestens. als die
lehrer auf meiner schule von mir mitgeteilt bekamen, ich hätte depressionen, sah
ich in erstaunte traurige gesichter. sie hätten es nicht gedacht. nur ein
einziger bemerkte, dass ich an manchen tagen, nur an manchen wirklich mitarbeiten
konnte, aber an den meisten tagen nur still dasaß. dass ich gedanklich bereits
beim suizid war, wußte er nicht.
dann kam ein eigentlich schönes erlebnis. nur richtig freuen konnte ich
mich nicht darüber. wir schafften uns, nachdem vor mehreren wochen unser alter
kater verstorben war, zwei junge katzen an. an vielen tagen spielte ich nun
mit den tieren. bis irgendwann mich jemand in der schule fragte woher ich den
die fürchterlichen kratzspuren hätte, ob ich denn monsterkatzen zu hause
hätte. dann überlegte ich. ja, warum tat ich das eigentlich? beim nächsten mal
merkte ich richtig, wie sich bei mir ein lösendes gefühl breitmachte, wenn ich mit
den tieren spielte und sie mich dabei verletzten. blieb die verletzung aus,
blieb das gefühl auch aus. so fing es an. ich bekam ein schlechtes gewissen
die katzen ausnutzen zu müssen. und versuchte es das erste mal selbst. mit
einem messer. zunächst am handgelenk, dann an den beinen, damit man die narben
nicht sähe. obwohl ich vorher sonst schmerz nicht wirklich mochte, war es für
mich ein schönes erlebnis. den ersten tag schnitt ich dreimal. später von tag
zu tag unterschiedlich zwischen zwei bis vier mal. und inzwischen nur noch
alle paar tage mal oder manchmal an zwei tagen hintereinander. je nach
stresssituationen. ich war bereits seit ausbruch der depressionen in therapie
(zwischen ausbruch der depression und des svvs liegen etwa zwei bis drei monate) und
nun eben auch wegen svv. nur das schlimmste für meine eltern ist: ich will
nicht aufhören. es sind für mich solch schöne erlebnisse, dass ich nicht aufhören
will damit. einen rock werde ich ohnehin niemals mehr tragen können und
momentan will ich das auch gar nicht. ich merke, dass ein großteil meines umfeldes es
wenn auch widerwillig akzeptiert. und auch ich akzeptiere diesen zug an mir.
ja, manchmal ist es sogar so, das ich mich selbst verletze nur um mir selber
zu beweisen, dass es mir noch schlecht geht.
und so hangel ich mich seit november (eigentlich eine recht kurze
zeitspanne) vom gefühl des druckes, des inneren schmerzes, dass ich fast schreien möchte
oder mit dem kopf gegen die wand schlagen möchte, über das gefühl des
schmerzes, der erlösung, als nähme mir jemand ein schweres gepäckstück ab, das ich
über lange zeit hinweg getragen habe, hin zum gefühl des absoluten gelöst
seins von dem vorigen schmerz. ja, es ist dann, als sei das vorher nie gewesen.
und dann kann ich wieder funktionieren.
13.08.2002
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