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Meine Erfahrungen

Anna Maria, 18 Jahre

Ich heiße Anna Maria, bin 18 Jahre alt und komme aus einer Kleinstadt. Ich verletzte mich seit einem halben Jahr selbst.
 
Anfangen werde ich mit einer Chronologie meines selbstverletzenden Verhalten:
Mir ging es im Winter 2001 nicht besonders gut. Es standen viele Klausuren an, bei mir daheim gab es ständig Zoff und mit meiner besten Freundin lief es auch sehr schlecht. Ich zog mich immer mehr in die Weiten des Internets zurück, ging kaum raus und war froh, wenn ich alleine sein konnte.
Durch Zufall gelangte ich auf eine Site über Depressionen, mit einem Link auf eine Site zum Thema SVV. Mir wurde klar, dass es mir bekannt vorkam: Vor einigen Jahren hatte ich mich regelmäßig mit einer Nadel geritzt. Nach langem Stöbern musste ich aus dem Netz und dachte über das Gelesene nach.
Da mein Freund seinen Besuch angekündigt hatte, wollte ich mir seit langem wieder die Beine rasieren und gelangte auf diesem Weg an die Klingen. Es war ein Abend, wie viele... Ich saß weinend in meinem Zimmer und hätte am liebsten alles kurz und klein geschlagen. Innerlich tobte etwas und machte mich rasend. Während meine Mutter unter mir brüllte, schnitt ich mich das erste Mal bewußt. Ich fühlte keinen Schmerz, das Blut lief hinunter, nach kurzer Zeit hörte ich auf.
Seitdem schneide ich mich, mal mehr mal weniger, meistens passiert es Freitags, wenn der Druck der Woche weg ist und ich völlig fertig bin. Mit der Zeit wurde es tiefer und großflächiger, da die Befriedigung immer größere Opfer verlangte. Wenn etwas passiert, was mich sehr belastet, schneide ich mich jeden Tag, einmal schnitt ich sogar 3 mal an einem Tag. Niemand bemerkte etwas und im Sport trug ich einen Sweater.
Irgendwann hasste ich mich selber dafür, war neidisch auf die glücklich scheinenden Mitschülerinnen mit ihren kurzen Tops, die ich nicht wagte anzuziehen. Trotzdem schnitt ich weiter, aus Hass auf mich selber, und danach verachtete ich mich aufs Unendliche. Ja ich hasse mich dafür!
 
Mein Freund weiss Bescheid, redet aber nicht viel darüber, weil er eine Freundin dadurch verloren hat. Er verdrängt es und ich kann es auch verstehen. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir überhaupt zuhört und mich nicht als Verrückte bezeichnet oder gar verläßt. Er ist ein wunderbarer Mensch, aber helfen kann er mir nicht wirklich, da er 500 Kilometer von mir entfernt wohnt. Allerdings hilft er mir, indem er zu mir steht und mir Mut macht, mich nicht unterkriegen zu lassen.
Mein Bruder sah eines Abends den Verband und sah mich schockiert an. Bevor ich reagieren konnte hielt er mich fest und riss mir den Verband runter. Er war wohl sehr verstört, sah mich an, als wäre ich eine Irre und ging. Erwähnt hat er diesen Vorfall nie wieder, manchmal bemerke ich seinen Blick, wie er auf meinem Arm ruht, als ob er sich fragt, wie es unter dem Pulli wohl aussieht.
 
Im Moment bin ich seit 4 Wochen "clean" und denke über den Besuch bei einem Psychologen nach. Irgendetwas sagt mir, dass es ein Anlaufspunkt ist, aber ich habe sehr große Angst davor. Einerseits ist es die Angst, dass es meine Eltern erfahren, andererseits habe ich auch Angst, dass ich mich öffne und mir nicht geholfen werden kann.
Wenn es nach mir ginge, wäre ich schon in einer Klinik, aber da ich die Gründe für meine Depressionen und mein Ritzen kenne, denke ich, dass mir eine Therapie nicht helfen kann, solange ich nicht daheim ausziehe. Und genau das ist nicht möglich, da ich durch traumatische Erlebnisse in meiner Kindheit sehr schnell Heimweh bekomme. Es äußert sich zum Beispiel darin, dass ich nichts essen kann. So habe ich furchtbare Angst vor einer Therapie und deren Folgen. Selbst, wenn ich sie durchstehen würde, käme ich in meine Familie zurück, wo die Ursachen des Ritzens und der Depris liegen. Es liegt sehr nahe, dass daheim wieder alles von vorne anfängt und das macht mir ebenfalls Angst.
 
Auch wenn das Leben im Moment für mich fast nur aus Angst besteht, habe ich Hoffnung. Hoffnung, dass ich in 2 Jahren zum Studieren nach Berlin ziehen kann und dort einen guten Psychologen finde, um alles "abzuarbeiten", was mich belastet hat und immer noch belastet. 
Ich lebe in der Illusion es zu schaffen und das hält mich am Leben - welches mir viel zu oft sinnlos erscheint.
Allen, denen es so ähnlich geht wünsch ich viel, viel Mut!!!
 
19.05.2002
 
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