Kontakt- und Informationsforum für SVV-Angehörige

Forum         Chat         Kontakt         SVV-Seiten         Neues

 
*    Startseite
 
über SVV
*    Informationen
*    Interview
 
professionelle
Hilfe
*    Wege zur Thera
*    Adressen
*    Therapieformen
*    online-Hilfe
 
praktische
Selbsthilfe
*    Ratschläge für
     Angehörige

*    Alternativen zu SVV
*    Tipps
*    Selbsthilfe
 
Austausch über
*    Forum
*    Chat
*    Gästebuch
*    e-Mail
*    andere Foren
 
Erfahrungs-
berichte
*    Betroffene
*    Angehörige
*    kreative Beiträge
 
Literatur
und Medien
*    Bücher
*    Medienberichte
*    Internet
*    SVV-Websites
*    private Homepages
 
weitere
Aspekte
*    Gedanken
*    über diese HP
*    SVV-Projekte
*    Prominente
 
Organisatorisches
*    Technisches
*    Chronologisches
*    Aktualisierung
*    Danke

Mein zweites Gesicht

Morwen, 20 Jahre

Ich bin 20 Jahre alt, Studentin. Ich bin hochbegabt. Ich habe einen lieben Freund, eine mich liebende Mutter und eine Schwester, und ein paar gute Freunde...nach außen erscheint mein Leben so schön, so kreativ, so ausgefüllt. Für diesen Eindruck sorge ich ganz bewußt. Es ist die Maske, die ich für die Außenwelt trage. Innerlich fühle ich mich leer, tot, dreckig.
 
Es fing damit an, daß ich zwischen meinem dritten und neunten Lebensjahr sexuell mißbraucht wurde. Als ich elf war, versuchte ein Bekannter wiederholt, mich zu vergewaltigen; mit 16 passierte mir das nochmals. Ich bin zum Opfer gemacht worden. Meine Familie weiß nichts davon (ich zähle meinen Vater, der sich u.a. auch an mir vergangen hat, nicht mehr dazu).
 
Heute weiß ich keine andere Lösung als das Schneiden. Angefangen habe ich damit, als ich etwa 12 war, also in der Pubertät, als mir bewußt wurde, wie sehr mich mein Körper anekelt...ich kann mich noch genau an die Situation erinnern...ich hatte damals ein Kaninchen, welches mir, als ich es im Garten einfing, den Arm zerkratzte. Im ersten Moment schenkte ich den blutenden Kratzern keine Beachtung, doch dann, plötzlich, fesselte das Blut meine Aufmerksamkeit. Das Brennen der Wunden tat mir irgendwie gut. Ich begann, den Schorf von den Kratzern immer wieder abzukratzen, um diese Gefühl wieder zu bekommen. Irgendwann nahm ich eine Nagelschere zu Hilfe, um wirkungsvoller zu schneiden...und es wurde zur Gewohnheit. Als ich dann irgendwo etwas über SVV las, war ich  überrascht, daß dies so "verbreitet" ist...
 
Mein Blut zu sehen und meine eigenen Schmerzen zu kontrollieren beruhigt mich. Dann fühle ich, daß ich noch am Leben bin. Daß meine Gefühle nicht tot sind. Oft bestrafe ich mich selbst für etwas, indem ich mir Schmerzen zufüge. Während der Selbstverletzung geht es mir gut. Hinterher fühle ich mich schlecht, ich schäme mich dafür, daß ich zu solchen besch... Mitteln greife. Aber der Hass und Ekel gegen mich selbst ist so stark, daß ich nicht anders kann.
 
Mein Freund ist der einzige, der von meinem "zweiten Gesicht" weiß, er versucht, mir beizustehen, mir zu helfen. Doch er selbst hat auch genug Probleme zu verarbeiten und reagiert somit nicht immer so, wie es eigentlich "richtig" wäre. Er verbietet mir z.B. strikt, mich selbst zu verletzen, was natürlich dazu führt, daß ich es heimlich tue. Ich würde so gerne mit ihm darüber sprechen. Über alles kann ich mehr oder weniger mit ihm reden, über meinen Mißbrauch, über meine Depressionen, meine Panikattacken...nur über SVV nicht. Er meint, SVV sei wie eine Droge, und es helfe nur ein Entzug. Ich glaube nicht, daß es so ist. Ansonsten würde der "kalte Entzug" den ich gerade durchmache, ja helfen, oder? Ich bemühe mich, aber es geht nicht. Wenn ich mich z.B. einige Monate nicht verletze, bricht es schließlich umso stärker aus mir heraus, schon bei einem kleinen Ärgernis füge ich mir selbst heftigste Schmerzen zu. Ich habe auch viele "Ersatzhandlungen" entwickelt, wenn dieser Drang zu stark wird...den Kopf gegen die Wand zu schlagen ist auch wirkungsvoll, und es hinterläßt keine Spuren...sich selbst piercen bzw. piercen lassen unter dem Deckmäntelchen des "schmückens" (Ich mag meine Piecings vor allem deswegen, weil es Verletzungen sind, die ich mir bewußt selbst zugefügt habe bzw habe zufügen lassen), oder auch blutspenden.
 
Nun, ich weiß nicht wie lange mein Leben in dieser Form weitergehen kann. Irgendwann werde ich meine Maske nicht mehr aufrechterhalten können. Aber solange ich noch etwas Kraft habe, versuche ich, das starke, selbstbewußte Mädchen zu spielen...
 
12.05.2002
 
weiter blättern  >>>
 

© Rote Linien
Impressum     Nutzungsbedingungen      Disclaimer