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Im Sommer 2000 fing alles an

Glühbirne, 17 Jahre

Im Sommer 2000 fing alles an. Gewisse Erlebnisse sorgten dafür, dass ich Depressionen bekam, keinen Sinn mehr im Leben sah. Ich verlor völlig den Boden unter den Füßen. Meine schulischen Leistungen sackten ab, ich schottete mich immer mehr von der Außenwelt ab und saß nur noch in meinem Zimmer.
 
Nach einer Weile fingen daraufhin auch die Selbstverletzungen an. Wie es dazu kam weiß ich selbst nicht so genau. Irgendwann sah ich eine Rasierklinge und fragte mich, wie es wohl ist, sich damit zu verletzen. Also schnitt ich mir in meinen linken Arm. Anfangs hielten sich die Selbstverletzungen noch in Grenzen. Gelegentlich fügte ich mir 2-3 kleine Wunden am Arm zu. Mit der Zeit nahm die Häufigkeit und Intensität der Verletzungen immer mehr zu. Es war wie eine Sucht. Es mussten immer mehr und tiefere Schnitte sein. Erst wenn das Blut in langen Fäden meinen Arm runterlief, auf den Boden tropfte und ich meine klaffenden Wunden sah, war ich zufrieden.
Das Ritzen sorgte dafür, dass ich für einen kurzen Moment alles vergaß. Ich schnitt mir meine Probleme, Sorgen, Gedanken einfach weg. Sobald die Rasierklinge langsam in meine Haut fuhr, das Fleisch entzweiteilte und das Blut herausquoll, empfand ich eine tiefe Befriedigung. Ich kam innerlich wieder zur Ruhe. Die Schmerzen und das Blut lenkten mich von der Realität ab... Es ist schwer meine Empfindungen, die ich dabei hatte, zu beschreiben. Und wahrscheinlich ist es für einen Außenstehenden auch schwer das alles nachzuvollziehen.
Dass es schwer ist nachzuvollziehen, wie man bei Schmerzen, die man sich selbst zufügt, Befriedigung empfinden kann, merkte ich immer wieder. Niemand verstand mich richtig. Zwar versuchte ich meine Wunden und Narben so gut wie möglich zu verstecken... zog sogar im Sommer nur Pullover an. Aber es gelang mir leider nicht immer. Meine Eltern und auch meine Klassenkameraden konnten sie ab und zu mal sehen. Meine Eltern machten sich Sorgen um mich... konnten mich nicht verstehen. Sie schickten mich zu verschiedenen Psychologen. Aber ich brach die Therapie immer ab, bevor sie richtig anfing. Meine Klassenkameraden verstanden mich noch weniger als meine Eltern. Oder wollten sie mich vielleicht gar nicht verstehen? Sie stempelten mich gleich als "Geisteskranken, Verrückten, Psychopath" usw. ab. Nach dem "Warum?" fragte niemand. Aber warum hätten sie das auch tun sollen? Nur weil ich dachte sie seien meine Freunde? Nur weil ich dachte, sie würden sich zumindest ein wenig für mich interessieren? Aber es ist ja leichter jemanden zu beschimpfen, als sich mit ihm zu befassen... mit ihm zu reden. Wegsehen ist leichter als helfen...
 
In dieser Zeit fühlte ich mich richtig alleine. Fast niemand verstand mich wirklich. Fast niemand kam damit klar. Fast niemand akzeptierte mich so wie ich bin (ist heute eigentlich auch noch so).
Als meine Selbstverletzungen zu extrem wurden, beschloss ich mich in eine stationäre Therapie zu begeben. Ich glaube, dass war einer der besten Entschlüsse, die ich je in meinem Leben gefasst habe. Eigentlich ließ ich mich nicht wegen der Therapie einliefern, sondern wegen den anderen "Verrückten", die ich hoffte dort anzutreffen. Ich hoffte, dass ich dort einige andere Leute treffen werde, mit denen ich mich unterhalten kann und die mich auch verstehen. Und meine Hoffnung ging letztendlich auch in Erfüllung.
Im Moment geht es mir echt gut. Meine Selbstverletzungen und auch meine Suizidgedanken haben aufgehört. Zu verdanken habe ich das allein meiner jetzigen Freundin, die mir die schönen Aspekte des Lebens zeigte.
Gelegentlich verspüre ich noch das Verlangen mir wieder Verletzungen zuzufügen. Aber ich kann dieses Verlangen immer wieder erfolgreich bekämpfen. Denn durch die Selbstverletzungen lösen sich meine Probleme auch nicht. Was bringt es mir außer Narben und einer kurzen Befriedigung noch ein? Gar nichts! Es ist vollkommen sinnlos...
Auch heute noch "schmücken" meinen Arm mehrere Narben. Mit diesen Narben habe ich ein Problem. Sie sind immer noch ein stummes Zeugnis vergangener Tage. Ständig erinnern sie mich an die beschissene Zeit, die ich erlebte und wie ich damit umging. Sobald ich ein T-Shirt trage, denke ich alle Leute starren mich an... tausend Blicke, die auf mich gerichtet sind. Und dann fühle ich mich total unwohl... obwohl ich weiß, dass ich mir das alles nur einbilde.
 
Meine letzten Zeilen möchte ich an alle Personen richten, die selbst unter SVV leiden:
Hör auf mit dem Mist! Es ist zwar leichter gesagt als getan, aber sogar ich habe es geschafft damit aufzuhören. Und ich weiß genau, dass ich nie wieder damit anfangen werde, sonst fängt alles wieder von vorne an. Durch die Selbstverletzungen werden deine Probleme, Sorgen, Ängste usw. auch nicht besser. Im Gegenteil... ich denke eher, dass dadurch nur noch alles schlimmer wird. Stelle dir mal die Frage, was du davon hast. Was es dir einbringt. Letztendlich wirst du wahrscheinlich zu der Antwort kommen, dass es nichts einbringt. Versuche lieber deine Probleme zu lösen... dich ihnen zu stellen. Und verdränge sie nicht, indem du dich selbstverletzt...
 
Ich möchte auch noch allen Personen danken, die diese Geschichte gelesen haben... und vor allem wünsche ich ihnen alles Gute...
 
22.04.2002
 
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